Riesling Kabinett „Hattenheimer Schützenhaus“ VDP.Erste Lage 2022 · Bio
Balthasar Ress – Hattenheim / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Das Hattenheimer Schützenhaus ist eine traditionsreiche Rheingauer Rieslinglage und als VDP.Erste Lage klassifiziert. Die Lage befindet sich unmittelbar bei Hattenheim und gehört damit zum historischen Kerngebiet des Rheingauer Weinbaus.
Balthasar Ress wurde 1870 in Hattenheim gegründet. Das Weingut ist heute in fünfter Generation im Familienbesitz und bewirtschaftet Weinberge in mehreren der renommiertesten Rheingauer Gemeinden. Die Verbindung von Tradition und moderner, ökologischer Bewirtschaftung prägt inzwischen die Weine des Hauses.
Der Schützenhaus-Riesling ist dabei besonders interessant, weil er die VDP.Erste-Lage-Herkunft mit der Kabinett-Kategorie verbindet. Anders als ein trockenes Großes Gewächs geht es hier nicht um maximale Konzentration, sondern um Leichtigkeit, Frische und das Spiel zwischen Süße und Säure.
Was das Schützenhaus auszeichnet
Der Weinberg liegt in einer geschützten, sonnigen Situation am Rheingauer Hang. Die Böden sind geprägt von Löss, Lehm und mineralischen Komponenten, was den Weinen Substanz gibt.
Die Lage kann dadurch reife Frucht hervorbringen, ohne dass die Weine ihre typische Rheingauer Säurespannung verlieren.
Beim Kabinett ist genau diese Balance entscheidend:
Frucht + natürliche Süße + Säure + Mineralität
Der Jahrgang 2022
2022 war ein warmer und trockener Jahrgang. Gerade bei einem Kabinett ist es deshalb wichtig, dass die Trauben ihre Säure behalten.
Der Schützenhaus 2022 besitzt eine sehr schöne Verbindung aus reifer Frucht und frischer Säure.
Durch den moderaten Alkohol bleibt der Wein leichtfüßig. Die Süße wirkt nicht schwer, sondern wird von der Säure getragen.
Das ist eine wichtige Eigenschaft eines guten Kabinetts: Er soll nicht wie ein süßer Dessertwein wirken, sondern leicht, animierend und elegant sein.
Bio
Balthasar Ress arbeitet seit mehreren Jahren konsequent biologisch. Die ökologische Bewirtschaftung ist inzwischen ein fester Bestandteil der Philosophie des Weinguts.
Für einen Kabinettriesling ist das besonders interessant, weil gesunde, physiologisch reife Trauben eine gute Voraussetzung für die Balance zwischen Säure, Frucht und Restzucker schaffen.
Verkostung
Die Nase zeigt zunächst typische Riesling-Kabinettaromatik:
weißer Pfirsich → grüner Apfel → Aprikose → Zitrone
Dazu kommen Limette, Grapefruit und florale Noten.
Mit Luft entwickelt sich die Frucht weiter in Richtung Nektarine und gelbe Pflaume.
Eine feine mineralische Note erinnert an nassen Stein und Feuerstein.
Am Gaumen
Der erste Eindruck ist leicht, saftig und animierend.
Die natürliche Restsüße ist deutlich spürbar, wirkt aber keineswegs breit. Sie wird von einer lebendigen Säure sofort wieder eingefangen.
Das Spiel ist ungefähr:
Süße → Frucht → Säure → Mineralität → frischer Abgang
Genau dieses Wechselspiel macht den Wein so trinkanimierend.
Im Mittelteil erscheinen Pfirsich, Aprikose und Nektarine, dazu Zitrus und Limette.
Am Ende kommt eine feine salzige Mineralität hinzu.
Der Abgang ist eher frisch und saftig als schwer und konzentriert.
Aromatik
weißer Pfirsich → Aprikose → Nektarine → grüner Apfel → gelbe Pflaume → Limette → Zitrone → Grapefruit → Blüten → Feuerstein → nasser Stein → Salz
Mit zunehmender Reife dürften sich zusätzlich Honig, kandierte Zitrusschale und Kräuternoten entwickeln.
Der besondere Reiz: Kabinett
Dieser Wein ist innerhalb deiner Sammlung stilistisch besonders interessant.
Viele deiner bisherigen Weine sind trockene Spitzenweine:
VDP.GROSSES GEWÄCHS
VDP.ERSTE LAGE trocken
trockene Terroirweine
große Rieslinge aus Mosel, Saar und Nahe
Der Schützenhaus Kabinett zeigt dagegen eine andere Seite des Rieslings:
weniger Kraft – mehr Leichtigkeit
weniger Holz – mehr Frucht
weniger Extrakt – mehr Säurespiel
weniger Ernst – mehr Trinkfreude
Das macht ihn zu einem sehr schönen Kontrastwein.
Reifepotenzial
Ein guter Kabinett kann wesentlich länger reifen, als sein leichter Körper vermuten lässt.
Die Kombination aus Säure und Restzucker ist ausgesprochen stabil.
Der 2022er dürfte sich über viele Jahre entwickeln.
Trinkfenster: 2025–2035+
In der Jugend stehen Pfirsich, Zitrus und Frische im Vordergrund.
Mit zunehmender Reife kommen:
Honig → Wachs → getrocknete Aprikose → kandierte Zitrone → Kräuter → mineralische Würze
hinzu.
Das Schützenhaus sollte deshalb nicht zu kalt serviert werden.
Serviertemperatur: 8–10 °C
Ich würde ihn nicht dekantieren. Einfach öffnen und im Glas entwickeln lassen.
Speisenbegleitung
Gerade durch das Süße-Säure-Spiel ist der Wein sehr vielseitig.
Sehr schön zu:
asiatischer Küche
Sushi
Thai-Curry
vietnamesischer Küche
scharfem Geflügel
Schweinefleisch
gebratenem Fisch
Krabben
Garnelen
Ziegenkäse
Frischkäse
milden Blauschimmelkäsen
Besonders spannend:
Thai-Curry mit Garnelen und Zitronengras.
Die leichte Süße puffert die Schärfe ab, während Säure und Zitrus den Wein frisch halten.
Auch Sushi und Sashimi funktionieren hervorragend.
Und natürlich kann man ihn wunderbar als Aperitif trinken.
Riesling trocken „Hattenheim Engelmannsberg“ VDP.Erste Lage 2023 · Bio
Balthasar Ress – Hattenheim / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Der Hattenheimer Engelmannsberg gehört zu den traditionsreichen Weinbergen rund um Hattenheim und ist als VDP.Erste Lage klassifiziert. Balthasar Ress, 1870 in Hattenheim gegründet, zählt zu den traditionsreichsten Weingütern des Rheingaus. Heute wird das Familienweingut in fünfter Generation geführt. Die Verbindung von Hattenheim und Assmannshausen ist für das heutige Profil des Hauses besonders wichtig: Neben Riesling bildet Spätburgunder einen zweiten Schwerpunkt.
Der Engelmannsberg ist dabei ein sehr typischer Hattenheimer Rieslingstandort. Die Lage ist nicht durch extreme Steilheit geprägt, sondern durch ihre geologischen und klimatischen Bedingungen. Alte Natursteinmauern in der Lage erinnern an die historische Weinbergsbewirtschaftung. Die Nähe zum Rhein sorgt zusätzlich für ein ausgeglichenes Mikroklima.
Seit der Umstellung des Betriebs auf ökologischen Weinbau gehört auch der Engelmannsberg zur Bio-Philosophie von Balthasar Ress. Das Ziel ist, die natürlichen Bedingungen des Weinbergs möglichst unverfälscht im Wein abzubilden.
Der Jahrgang 2023
2023 war am Rheingau ein Jahr mit einem langen Vegetationsverlauf und ausreichend Wärme für eine gute Reife. Gleichzeitig sorgten Niederschläge und die spätere Lese dafür, dass die Weine ihre Frische bewahren konnten.
Der Engelmannsberg 2023 besitzt 12 % vol. Alkohol und ist mit 4,4 g/l Restzucker trocken ausgebaut. Die Kombination aus relativ moderatem Alkohol und lebendiger Säure verleiht ihm seine elegante, schlanke Erscheinung.
Das Interessante am Jahrgang ist die Verbindung von reifer gelber und exotischer Frucht mit einer sehr präzisen Säurestruktur.
Verkostung
In der Nase zeigt sich zunächst eine schöne Kombination aus Zitrusfrucht und gelber Frucht.
Typisch sind:
Limone → gelber Apfel → Passionsfrucht → Kiwi → Blutorange
Dazu kommen Zitronenmelisse, Kresse und feine Kräuter.
Mit etwas Luft wird die mineralische Seite deutlicher. Der Wein bekommt mehr Stein, nasses Gestein und eine leicht salzige Würze.
Die Frucht bleibt dabei stets frisch und wirkt nicht überreif.
Am Gaumen
Der Auftakt ist saftig, frisch und zitrisch.
Dann entwickelt sich der Wein zunehmend in die Breite. Gelbe Frucht und exotische Aromen geben ihm Substanz, während die Säure ihn wieder strafft.
Besonders schön ist der Gegensatz zwischen:
saftiger Frucht + schlankem Körper + mineralischem Extrakt
Dadurch wirkt der Engelmannsberg keineswegs dünn, obwohl er nur 12 % Alkohol besitzt.
Im Mittelteil treten Zitrone, Kiwi und gelber Apfel stärker hervor. Dazu kommt eine feine Kräuterwürze.
Das Finale wird zunehmend mineralisch und salzig. Gerade diese salzige Komponente verleiht dem Wein Länge.
Aromatik
Limone → gelber Apfel → Passionsfrucht → Kiwi → Blutorange → Zitrone → Zitronenschale → weiße Blüten → Zitronenmelisse → Kresse → Kräuter → nasses Gestein → Fleur de Sel
Die Aromatik ist damit deutlich frischer und zitrischer als bei vielen wärmeren Rheingau-Rieslingen.
Auszeichnungen
Der Jahrgang 2023 wurde von Falstaff mit 92–94 Punkten bewertet. Besonders hervorgehoben werden das saftige Säurespiel, die schlanke Alkoholstruktur und der mineralische Extrakt.
Damit gehört der Wein zu den sehr guten Erste-Lage-Rieslingen des Rheingaus.
Reifepotenzial
Der Engelmannsberg ist bereits jetzt sehr gut zugänglich, besitzt aber genügend Säure und Extrakt für eine schöne Entwicklung.
Trinkfenster: 2026–2033
Bei sehr guter Lagerung halte ich auch eine längere Entwicklung für möglich.
In der Jugend stehen Zitrus, Kiwi und gelbe Frucht im Vordergrund. Mit zunehmender Reife dürften Wachs, Kräuter, getrocknete Zitrusschale, Nuss und mineralische Würze stärker hervortreten.
Serviertemperatur: 9–11 °C
Für die normale 0,75-l-Flasche würde ich etwa 20–30 Minuten Luft geben. Bei 10 °C im größeren Rieslingglas kann er sich sehr schön entwickeln.
Speisenbegleitung
Der Wein ist aufgrund seiner Säure und Mineralität sehr vielseitig.
Besonders passend:
Zander
Saibling
Forelle
Kabeljau
Steinbutt
Jakobsmuscheln
Garnelen
Sushi
Geflügel
Kalb
Spargel
Fenchel
grünes Gemüse
Ziegenkäse
asiatische Küche
Sehr schön wäre:
Gebratener Zander mit Fenchel, Zitronenbutter und frischen Kräutern.
Die Limone und Zitrusnoten greifen die Sauce auf, während die mineralische Salzigkeit des Weins den Fisch unterstützt.
Auch Jakobsmuscheln mit Erbsen und Zitronenmelisse passen hervorragend.
Pinot Noir „Assmannshausen“ VDP.ORTSWEIN 2022 · trocken · Bio
Balthasar Ress – Hattenheim / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Der Assmannshausen Pinot Noir ist einer der interessantesten Rotweine im Sortiment von Balthasar Ress. Assmannshausen besitzt im Rheingau eine Sonderstellung: Während der Rheingau vor allem für Riesling berühmt ist, gehört der Ort zu den traditionellen Zentren des deutschen Spätburgunders.
Das Weingut Balthasar Ress wurde 1870 von Balthasar Ress in Hattenheim gegründet. Aus einem Gasthof mit Weinwirtschaft entwickelte sich über fünf Generationen das heutige VDP-Weingut. Heute gehört der Betrieb zu den wenigen Rheingauer Gütern, die Weinberge von Hattenheim bis Assmannshausen besitzen.
Christian Ress verfolgt dabei eine klare Vision: Neben Riesling sollen insbesondere hochwertige Pinot Noirs das Profil des Hauses prägen. Das Weingut arbeitet inzwischen zertifiziert ökologisch; die Umstellung begann 2016.
Der 2022er ist als VDP.ORTSWEIN klassifiziert. Damit steht nicht eine einzelne Spitzenparzelle, sondern der Charakter der Herkunft Assmannshausen im Vordergrund.
Was Assmannshausen so besonders macht
Assmannshausen liegt am steilen Rheingauhang. Die exponierten Weinberge sind besonders für Pinot Noir geeignet.
Der Standort bringt Bedingungen mit, die für Spätburgunder ideal sind: viel Sonne, steile Hänge, Wärme und gleichzeitig die kühlende Wirkung des Rheins.
Das erklärt den Stil dieses Weins sehr gut. Er ist kein schwerer, marmeladiger Pinot Noir, sondern verbindet rote Frucht, Würze, Erdigkeit und feine Säure.
Der Jahrgang 2022
2022 brachte einen reifen und relativ kraftvollen Pinot Noir hervor.
Der Assmannshausen Pinot Noir besitzt 12,5 % vol. Alkohol, nur 0,1 g/l Restzucker und 5,1 g/l Säure. Er ist damit ausgesprochen trocken und besitzt genügend Säure für Frische.
Interessant ist, dass der Wein trotz der Reife nicht breit wirkt. Die Säure und das feine Tannin halten ihn auf der eleganten Seite.
Bio & Weinbergsarbeit
Der Wein ist EU-Öko-zertifiziert. Balthasar Ress verfolgt im gesamten Betrieb einen ökologischen Ansatz, bei dem die Weinberge als möglichst selbstregulierende Ökosysteme verstanden werden. Chemische Herbizide und Pestizide werden nicht eingesetzt.
Gerade bei Pinot Noir ist diese sorgfältige Weinbergsarbeit interessant, weil die Rebsorte empfindlich auf Ertrag und Reife reagiert.
Ausbau
Die Trauben werden von Hand gelesen, schonend transportiert und entrappt.
Danach folgt eine Kaltmazeration, bevor die Beeren etwa drei Wochen spontan auf der Maische in einer Edelstahlbütte vergoren werden. Anschließend wird abgepresst.
Vor der Abfüllung durchläuft der Wein den biologischen Säureabbau und reift insgesamt 24 Monate im Holzfass. Danach wird er unfiltriert abgefüllt.
Das ist ein relativ langer Ausbau und erklärt die Kombination aus Frucht, Würze und feinem Holz.
Verkostung
Im Glas zeigt sich der 2022er in einem hellen Kirschrot.
Die Nase beginnt mit roten Beeren und erdigen Noten.
Sehr schön sind:
Johannisbeere → Schattenmorelle → Kirsche → rote Beeren → Steinpilz → Waldboden → Haselnuss
Dazu kommen mit etwas Luft Persipan, Tabak, Kräuter und eine feine rauchige Holznote.
Die Beschreibung von Wein.plus bestätigt diesen eher transparenten, würzigen Stil mit roten und schwarzen Beeren, Kirsche, Waldboden, Kräutern, Tabak und einem Hauch Rauch.
Am Gaumen
Der erste Eindruck ist saftig und überraschend voll.
Die Frucht erinnert an:
Schattenmorelle
Johannisbeere
Sauerkirsche
rote Pflaume
Dazu kommen Kakao, Waldboden und etwas Rauch.
Das Tannin ist fein und geschliffen, nicht aggressiv. Die Säure sorgt für Frische und gibt dem Wein Länge.
Besonders schön ist der zarte Schmelz im Mittelteil.
Im Finale kommen die würzigen Komponenten stärker hervor: Holz, Kakao, Unterholz und eine leicht salzige Note.
Wein.plus beschreibt den Wein als elegant, transparent und feinsaftig, mit feinem Tannin, Rauch, Kakao und einem salzigen Hintergrund.
Aromatik
Sauerkirsche → Schattenmorelle → Johannisbeere → rote Pflaume → Waldbeeren → Steinpilz → Waldboden → Haselnuss → Persipan → Kakao → Tabak → Rauch → Holz → Kräuter → Salz
Das ist kein Pinot Noir, der ausschließlich über Frucht definiert wird.
Seine eigentliche Stärke liegt in der Kombination aus Frucht + Unterholz + Würze + feinem Holz.
Auszeichnungen & Bewertungen
Für den 2022er liegt eine Bewertung von Wein.plus vor; dort wird der Wein als sorgfältig gemacht und elegant eingestuft. Das Trinkpotenzial wird mit bis 2027+ angegeben.
Als Orientierung für die Entwicklung der Assmannshausen-Linie ist außerdem interessant, dass der Vorgängerjahrgang 2020 bei Falstaff 90+ Punkte erhielt.
Für den konkreten 2022er würde ich daher keine höhere Punktzahl behaupten, solange keine belastbare Quelle dafür vorliegt.
Reifepotenzial
Der Wein ist jetzt in einer sehr guten Trinkphase.
Trinkfenster: 2025–2029 Serviertemperatur: 14–16 °C
Die Einschätzung von Wein.plus „bis 2027+“ passt dazu.
Ich würde ihn nicht zu warm servieren. Bei 15 °C wirkt die rote Frucht deutlich präziser.
Eine junge Flasche benötigt etwa 30–45 Minuten Luft.
Speisenbegleitung
Dieser Pinot Noir verlangt geradezu nach herbstlicher Küche:
Rehrücken
Hirsch
Wildente
Fasan
Perlhuhn
Entenbrust
Kalbsfilet
Steinpilze
Pfifferlinge
Trüffel
Pilzrisotto
geschmorte Rindergerichte
Besonders überzeugend:
Rehrücken mit Steinpilzen, Wacholderjus und Selleriepüree.
Die Sauerkirsch- und Johannisbeernoten greifen die Fruchtigkeit der Sauce auf, während die Erdigkeit des Weins perfekt mit den Pilzen harmoniert.
Auch Entenbrust mit Kirschsauce wäre eine hervorragende Kombination.
Riesling „Rüdesheim Berg Rottland“ VDP.GROSSES GEWÄCHS 2023 · trocken
Balthasar Ress – Hattenheim / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Der Berg Rottland gehört zu den berühmtesten Weinbergen des Rheingaus und liegt oberhalb von Rüdesheim. Die Lage ist eine ausgeprägte Steillage mit rund 33 % Hangneigung und nahezu idealer Sonneneinstrahlung. Genau diese Kombination aus Steilhang, Wärme und mineralischem Untergrund macht den Rottland zu einer der charakteristischsten Herkünfte des Rüdesheimer Berges.
Balthasar Ress, 1870 in Hattenheim gegründet, bewirtschaftet neben den Hattenheimer Spitzenlagen auch den Rüdesheimer Berg. Der Rottland gehört dabei zu den Weinen, mit denen das Weingut seine Ambition bei trockenen Spitzenrieslingen besonders deutlich zeigt.
Der Wein ist als VDP.GROSSE LAGE® klassifiziert und wird als Großes Gewächs trocken vermarktet.
Der Jahrgang 2023
Der 2023er Rottland besitzt 13,0 % Alkohol, 1,9 g/l Restzucker und 7,3 g/l Säure. Er ist damit ausgesprochen trocken und besitzt eine sehr gute Säurebasis. Der Wein ist außerdem bio-zertifiziert und vegan.
Charakteristisch für den Jahrgang ist die Verbindung von reifer Frucht mit kräftiger Mineralität. Der Wein wirkt nicht primär über exotische Frucht, sondern über Struktur, Würze und mineralischen Druck.
Ausbau
Die Trauben werden mehrfach selektiert, von Hand gelesen und in kleinen Boxen zum Weingut transportiert.
Nach einer 12-stündigen gekühlten Maischestandzeit erfolgt die Spontangärung überwiegend in gebrauchten Barriques und Stückfässern. Die verschiedenen Partien werden anschließend über mehrere Wochen vom Kellermeister zusammengeführt. Danach bleibt der Wein noch ein Jahr im Tank, bevor er auf den Markt kommt.
Das ist wichtig für den Stil: Das Holz soll nicht als dominantes Aroma auftreten, sondern dem Riesling Textur, Schmelz und zusätzliche Tiefe geben.
Verkostung
Die Nase ist deutlich würziger und reifer als beim Engelmannsberg.
Im Vordergrund stehen:
Mandarinenschale → roter Apfel → Birne → gelbe Frucht
Dazu kommen Sesam, Heu, Wiesenkräuter und Bienenwachs. Mit Luft treten nussige und leicht rauchige Komponenten hinzu. Falstaff beschreibt gerade diese Kombination aus getrocknetem gelbem Apfel, Birne, Bienenwachs und einer feinen ätherischen Note.
Dahinter liegt eine dunklere mineralische Ebene, die dem Wein Ernsthaftigkeit und Tiefe gibt.
Am Gaumen
Hier zeigt der Rottland seine eigentliche Stärke.
Der Wein ist druckvoll, dicht und mineralisch, besitzt aber gleichzeitig eine elegante Säure.
Die Frucht wirkt reif und saftig, wird jedoch schnell von Mineralik, Würze und einer feinen Gerbstoffstruktur überlagert.
Besonders schön ist der Schmelz im Mittelteil. Falstaff beschreibt den 2023er als Wein mit Schmelz und druckvoller Mineralpower, die in ein langes Finale führt.
Wein.plus hebt ebenfalls die reife, saftige Frucht, feine Säure, Griff und innere Kraft hervor.
Das Finale ist lang, fest und mineralisch.
Aromatik
Mandarinenschale → roter Apfel → Birne → gelber Apfel → getrocknete Zitrusfrucht → Bienenwachs → Sesam → Heu → Wiesenkräuter → Brotgewürz → Rauch → Nuss → dunkle Mineralität → Salz
Das ist ein Riesling, der mit zunehmender Luft deutlich komplexer wird.
Auszeichnungen
Für den Jahrgang 2023 gibt es eine sehr gute Reihe von Bewertungen:
94 Punkte Falstaff – Tasting 2025
92 Punkte Eichelmann 2026 – besonders hervorgehoben werden die steinige Würze und mineralische Tiefe
92 Punkte Wein.plus – mit Würze, Dichte, innerer Kraft und langem Abgang
Bei den Golden Grape Awards von Wein.plus erhielt der 2023er die Auszeichnung Gold.
Damit gehört der 2023er eindeutig zu den stärker bewerteten trockenen Rieslingen von Balthasar Ress.
Reifepotenzial
Der Wein ist aktuell noch relativ jung.
Gerade die Kombination aus 7,3 g/l Säure, mineralischem Extrakt, Gerbstoffgriff und 1,9 g/l Restzucker spricht für eine gute Entwicklung.
Ich würde ihn deutlich länger lagern als den Engelmannsberg.
Trinkfenster: 2027–2038 Höhepunkt: etwa 2030–2035
Mit Reife dürfte die Frucht zurücktreten und Platz machen für:
Bienenwachs → getrocknete Zitrusschale → Nuss → Rauch → Kräuter → Feuerstein → salzige Mineralität
Eine Flasche jetzt zu öffnen ist möglich, aber ich würde sie mindestens 1–2 Stunden vorher öffnen und aus einem großen Glas trinken.
Speisenbegleitung
Der Rottland besitzt genügend Kraft für anspruchsvolle Gerichte.
Besonders passend:
Steinbutt
Seezunge
Kabeljau
Hummer
Jakobsmuscheln
Kalbsfilet
Kalbsbries
Poularde
Perlhuhn
Schweinefilet
Risotto
Trüffel
Morcheln
gereifter Comté
Sehr spannend wäre:
Steinbutt mit Beurre blanc, Sellerie und gerösteten Haselnüssen.
Die nussigen und würzigen Komponenten des Weins greifen die Haselnuss auf, während die Säure die Butter ausbalanciert.
Auch Kalbsfilet mit Morcheln dürfte hervorragend funktionieren.
Riesling trocken „Hattenheim Engelmannsberg“ VDP.ERSTE LAGE 2023 · Magnum · Bio
Balthasar Ress – Hattenheim / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Der Hattenheimer Engelmannsberg gehört zu den charakteristischen Weinlagen rund um Hattenheim und ist als VDP.ERSTE LAGE klassifiziert. Der Weinberg liegt westlich der Straße von Hattenheim in Richtung Kloster Eberbach und grenzt im Süden an die Rheingauer Bahnstrecke. Bemerkenswert für den mittleren Rheingau sind die noch vorhandenen alten Natursteinmauern innerhalb der ansonsten eher flachen Lage.
Für Balthasar Ress ist der Engelmannsberg ein sehr guter Ausdruck des Hattenheimer Terroirs: weniger von dramatischer Steillage geprägt, dafür von der Kombination aus Rheingauklima, mineralischen Böden und der Nähe zum Rhein. Der Wein wird biologisch erzeugt und ist entsprechend EU-Öko-zertifiziert.
Der Jahrgang 2023 zeigt dabei sehr schön, dass eine Erste Lage nicht zwangsläufig wuchtig sein muss. Der Engelmannsberg ist eher ein Wein von Finesse, Säurezug und Mineralität.
Der Jahrgang 2023
Der 2023er besitzt 12 % vol. Alkohol, 4,4 g/l Restzucker und wird trocken ausgebaut.
Das Entscheidende ist die Balance: Die Reife bringt gelbe und exotische Frucht, während Säure und mineralischer Extrakt den Wein schlank und präzise halten.
Falstaff beschreibt ihn als saftig im Säurespiel, schlank im Alkohol, aber gleichzeitig extraktreich. Gerade dieser Gegensatz macht den Wein interessant.
Ausbau & Vinifikation
Balthasar Ress arbeitet bei den Lagenweinen mit selektiver Handlese und schonender Verarbeitung. Die Trauben des Hauses werden vorselektiert und in kleinen Bütten zum Weingut gebracht.
Beim Engelmannsberg steht die Herkunft im Vordergrund: Der Wein soll die mineralische und frische Seite des Hattenheimer Rieslings zeigen und nicht durch einen dominanten Holzeindruck überlagert werden.
Verkostung
Im Glas zeigt sich der Wein zartgelb mit goldenen Reflexen.
Die Nase beginnt mit gelber Frucht und feinen exotischen Noten.
Besonders charakteristisch sind:
Passionsfrucht → Kiwi → Limone → gelber Apfel → Zitrusschale
Dazu kommen Zitronenmelisse und steinige, mineralische Noten.
Falstaff ergänzt die Aromatik um Kresse, frischen Zitrusabrieb und Blutorange. Dazu kommen steinige Nuancen, die dem Wein bereits in der Nase eine gewisse Ernsthaftigkeit verleihen.
Mit Luft wird er zunehmend kräuteriger und mineralischer.
Am Gaumen
Der Auftakt ist saftig und zitrisch.
Dann kommen gelbe Früchte und exotische Noten hinzu, bevor die Säure den Wein wieder strafft.
Sehr schön ist die Kombination aus:
gelber Frucht + Limone + Kräutern + Mineralität
Im Mittelteil wirkt der Wein durchaus extraktreich, bleibt aber schlank und elegant. Das verhindert, dass die reife Frucht zu breit erscheint.
Am Ende kommt eine feine Fleur-de-Sel-Note hinzu. Der Hersteller beschreibt ausdrücklich dieses salzige Element zusammen mit der Mineralität.
Das Finale ist trocken, zitrisch, mineralisch und salzig, mit schöner Länge.
Aromatik
gelber Apfel → Passionsfrucht → Kiwi → Limone → Blutorange → Zitronenschale → Zitronenmelisse → Kresse → Kräuter → Stein → Fleur de Sel
Die exotische Frucht ist dabei nicht üppig, sondern wird von der Säure und Mineralität sehr gut eingefangen.
Auszeichnungen
Der Jahrgang 2023 wurde von Falstaff mit 92–94 Punkten bewertet. Ulrich Sautter lobte insbesondere das saftige Säurespiel, den Extrakt und den mineralischen Hintergrund.
Außerdem erhielt der Wein bei **wein.plus 90 Punkte („hervorragend“) **. Balthasar Ress führt diese Auszeichnung selbst im Pressearchiv.
Damit gehört der 2023er klar zu den sehr guten Erste-Lage-Rieslingen des Hauses.
Magnum – warum besonders interessant?
Die 1,5-Liter-Magnum ist bei diesem Wein besonders reizvoll.
Riesling mit seiner Säure und Mineralität kann sehr gut reifen. In der Magnum entwickelt sich der Wein in der Regel langsamer und harmonischer als in der normalen 0,75-l-Flasche.
Beim Engelmannsberg dürfte das langfristig bedeuten:
mehr gelbe Frucht → mehr Kräuter → mehr Rauch/Stein → mehr Nuss → komplexere mineralische Tiefe
Die Magnum würde ich deshalb nicht nur als größere Partyflasche sehen, sondern als echtes Reifewerkzeug.
Reifepotenzial
Der Wein ist bereits zugänglich, aber die Magnum besitzt deutlich mehr Zukunft.
Trinkfenster 0,75 l: etwa 2026–2032 Magnum: etwa 2027–2035+
Für die Magnum würde ich eher etwas Geduld mitbringen.
Serviertemperatur: 9–11 °C
Eine junge Magnum braucht nicht unbedingt dekantiert zu werden. Besser ist es, sie im großen Glas langsam entwickeln zu lassen.
Bei einem größeren Essen kann man sie 30–45 Minuten vorher öffnen.
Speisenbegleitung
Durch die Kombination aus Säure, Frucht und Salz ist der Engelmannsberg ausgesprochen vielseitig:
Zander
Forelle
Saibling
Kabeljau
Steinbutt
Jakobsmuscheln
Garnelen
Sushi
Geflügel
Kalb
Spargel
grünes Gemüse
Ziegenkäse
asiatische Küche
Besonders schön:
Gebratener Zander mit Zitronenbutter, Fenchel und Kräutern.
Die Limone und Zitrusnoten des Weins greifen die Sauce auf, während die Mineralität und Säure für Frische sorgen.
Auch Jakobsmuscheln mit Erbsen und Zitronenmelisse wären hervorragend.
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