Riesling Buntsandstein 2023 · bio · biodynamisch
Frank John · Hirschhorner Hof · Neustadt-Königsbach · Pfalz
Geschichte & Herkunft
Der Hirschhorner Hof ist ein rund 400 Jahre altes Renaissancegebäude und ehemaliger Zehnthof. Frank und Gerlinde John erwarben ihn 2002 und bauten dort ihr Familienweingut auf. Seit 2003 entstehen die Weine nach dem Leitgedanken „Große Weine alter Schule“. Frank John war zuvor Önologe und Kellermeister bei Reichsrat von Buhl. Von Beginn an werden ausschließlich Trauben aus biologisch-dynamischem Anbau verwendet; seit dem Jahrgang 2012 ist der Betrieb Demeter-zertifiziert. Handarbeit, Spontangärung, lange Holzfassreife und minimale Kellerintervention sind zentrale Elemente des Hauses.
Die Idee des Buntsandstein-Rieslings
Der „Buntsandstein“ ist bewusst kein klassischer Lagenwein. Frank John wollte mit diesem Wein den Charakter des Bodens zeigen. Das Traubengut stammt ausschließlich von Buntsandsteinlagen entlang der Mittelhaardt, von Hambach im Süden bis in die Hochlagen von Leistadt im Norden. Die unterschiedlichen Herkünfte sorgen für eine breite klimatische und geologische Spannweite. Der Buntsandstein wird von den Reben tief durchwurzelt und prägt nach der Philosophie des Weinguts die mineralische und würzige Seite des Rieslings.
Jahrgang 2023
2023 begann mit einem kühlen und niederschlagsreichen Frühjahr, gefolgt von einem warmen, trockenen Sommer und einem günstigen Herbst. Die Trauben wurden Mitte September nach rund 110 Tagen Reifezeit gelesen. Der Wein besitzt 12,1 % vol. Alkohol, 7 g/l Säure und 3,7 g/l Restzucker. Er ist damit trocken ausgebaut, besitzt aber genügend Säure für Spannung und langes Reifepotenzial.
Ausbau
Der Ausbau ist ungewöhnlich und prägt den Wein entscheidend. Die Trauben erhalten eine kurze Maischestandzeit und werden langsam und lange gepresst. Anschließend erfolgt die spontane Vergärung in 1.200- und 2.400-Liter-Holzfässern, teilweise mit ganzen Trauben. Danach bleibt der Riesling rund ein Jahr auf der Vollhefe, bis er sich auf natürliche Weise selbst klärt. Der Wein wird ohne Temperaturkontrolle und ohne Reinzuchthefen erzeugt; Stabilisierung und Schönung werden weitgehend vermieden. Ein kleiner Anteil von Beerenschalen und Stielen sorgt zusätzlich für feinen Gerbstoff-Grip.
Verkostung
In der Nase zeigt der 2023er eine sehr klare, elegante Rieslingaromatik.
Gelber Pfirsich → Mirabelle → Weinbergspfirsich → Zitrus
Dazu kommen: Kamille → Kräuter → Heu → Salbei → feine Rauchigkeit
Im Hintergrund steht eine kühle, steinige Mineralität.
Parker beschreibt den Wein als klar, elegant und leicht flintig, mit reifer, frischer Frucht sowie nussigen, floralen und kräuterigen Nuancen.
Am Gaumen
Der 2023er besitzt eine ungewöhnlich dichte Struktur für einen Wein mit nur 12 % vol.
Gelbe Frucht → Zitrus → Kräuter
treffen auf: Schmelz → feinen Gerbstoff → Mineralität → Salz
Die Säure ist fein ziseliert und ausgesprochen salzig. Dazu kommt ein dezenter Grip, der dem Wein Struktur und Länge verleiht. Parker hebt die noble Textur, die sehr feine salzige Säure und den eleganten Grip besonders hervor.
Das Finale ist lang, trocken und von Zitrus, Nuss und mineralischer Würze geprägt.
Aromatik
Gelber Pfirsich → Mirabelle → Weinbergspfirsich → Grapefruit → Zitruszeste → Kamille → Salbei → Wiesenkräuter → Heu → Sonnenblumenkerne → Nuss → Feuerstein → Rauch → Salz
Mit zunehmender Reife: getrocknete Aprikose → Kräutertee → Walnuss → Honig → Apfelschale → mineralische Würze
Auszeichnungen
Der Jahrgang 2023 erhielt:
94–95 Punkte · Heiner Lobenberg
94 Punkte · Robert Parker / Wine Advocate
Der Wein besitzt damit eine bemerkenswert hohe internationale Bewertung.
Auch die historische Reputation des Buntsandstein-Rieslings ist stark: Frühere Jahrgänge wurden unter anderem von Gault&Millau und Eichelmann ausgezeichnet; der 2015er erhielt 91 Punkte bei Gault&Millau und 90 Punkte bei Eichelmann.
Reifepotenzial
Der 2023er besitzt ein ungewöhnlich großes Entwicklungspotenzial. Lobenberg nennt ein Trinkfenster von 2024 bis 2043.
2026–2029 → Pfirsich, Mirabelle, Zitrus, Kräuter und Feuerstein
2029–2034 → mehr Nuss, getrocknete Zitrusfrucht und Kräutertee
2034–2043 → Honig, getrocknete Früchte, Walnuss, mineralische Würze und komplexe Reifearomen
Servieren
Serviertemperatur:
10–12 °C
Ein größeres Riesling- oder Weißweinglas ist empfehlenswert. Der Wein profitiert von Luft. Etwa 30–60 Minuten im Glas bringen die Kräuter-, Nuss- und Feuersteinaromen stärker hervor.
Speisenbegleitung
Durch seine Struktur und den feinen Gerbstoff eignet sich der Wein nicht nur zu leichten Gerichten.
Besonders passend:
Zander
Saibling
Forelle
Kabeljau
gebratener Fisch
Jakobsmuscheln
Spargel
Frühlingsgemüse
Pilzrisotto
Kürbis
Sellerie
Geflügel
Kalbfleisch
aromatische vegetarische Küche
Sehr stimmig: Zander mit brauner Butter, Sellerie und Kräutern. Auch ein Pilzrisotto mit Koriander oder kräftig gewürzter Fisch passt hervorragend zur mineralisch-kräuterigen Struktur. Solche Kombinationen werden auch vom Weingut für den Buntsandstein-Stil empfohlen.
Riesling brut „36“ 2020 · Sekt b.A. Pfalz · bio · biodynamisch
Frank John · Hirschhorner Hof · Neustadt-Königsbach · Pfalz
Geschichte & Herkunft
Der Hirschhorner Hof in Königsbach ist ein historischer, etwa 400 Jahre alter Hof. Frank und Gerlinde John übernahmen das Anwesen 2002 und entwickelten daraus ein kleines, eigenständiges Weingut mit historischem Gewölbekeller. Frank John bringt seine Ausbildung und Erfahrung als Önologe und ehemaliger Kellermeister von Reichsrat von Buhl in die eigene Weinbereitung ein. Das Weingut steht für einen bewusst traditionellen Stil mit langen Reifezeiten und möglichst wenigen Eingriffen. Seit 2012 arbeitet der Betrieb Demeter-zertifiziert biodynamisch. Die Weinberge werden mit großer Handarbeit bewirtschaftet, die Weine überwiegend spontan vergoren.
Was bedeutet „36“?
Die Bezeichnung „36“ steht für 36 Monate Hefelager nach der zweiten Gärung auf der Flasche. Damit gehört der Sekt stilistisch zu den gereifteren deutschen Riesling-Sekten. Die lange Hefereife bringt zusätzliche Cremigkeit, Feinperligkeit und Aromen von Brioche, Gebäck und Nüssen, während der Riesling seine charakteristische Säure und Frische bewahrt. Der Jahrgang 2020 verbindet diese lange Reife mit einem sehr guten Rieslingjahr.
Rebsorte & Terroir
100 % Riesling. Die Weinberge rund um Königsbach sind wesentlich von Buntsandstein geprägt. Dieser Untergrund bringt würzige und mineralische Nuancen in den Riesling und unterstützt seine elegante, eher kühle Stilistik.
Buntsandstein → Würze und Mineralität Riesling → Säure und Spannung 36 Monate Hefelager → Cremigkeit und Tiefe Biodynamie → Eigenständigkeit und Herkunft
Jahrgang 2020
Der Jahrgang 2020 war in der Pfalz warm und trocken, gleichzeitig konnten die Rieslingtrauben eine bemerkenswert gute Säurestruktur bewahren. Für einen Sektgrundwein ist diese Kombination besonders wertvoll: Reife bringt Substanz, während die Säure für Spannung und Frische sorgt. Der 2020er besitzt dadurch gute Voraussetzungen für die lange Hefereife und die anschließende Flaschenentwicklung.
Herstellung
Frank John arbeitet bewusst nach traditionellen Methoden. Die Grundweine werden spontan vergoren. Anschließend erfolgt die zweite Gärung auf der Flasche nach traditioneller Methode. Danach verbleibt der Sekt 36 Monate auf der Hefe.
Grundwein → Flaschengärung → 36 Monate Hefelager → Degorgierung → Brut
Der Ausbau ist auf möglichst geringe Intervention ausgerichtet. Die lange Hefelagerung ist dabei kein bloßes technisches Detail, sondern ein zentraler Bestandteil des Stils.
Verkostung
Im Glas zeigt der Sekt ein helles Goldgelb mit feiner, anhaltender Perlage.
Die Nase verbindet frische Rieslingaromen mit den charakteristischen Noten der langen Hefereife.
Zitrone → Limette → grüner Apfel → gelber Apfel
dazu: Brioche → Hefeteig → geröstetes Brot → Mandel → Haselnuss
Im Hintergrund: Feuerstein → Kräuter → nasse Steine → dezente Rauchigkeit
Mit Luft wird der Wein zunehmend würziger und komplexer.
Am Gaumen
Der erste Eindruck ist trocken, frisch und feinperlig.
Zitrone → Grapefruit → grüner Apfel
Die lebendige Rieslingsäure sorgt für Spannung.
Danach folgen die gereifteren Komponenten: Brioche → Hefeteig → Mandel → geröstete Nüsse
Die Perlage ist fein integriert und unterstützt die cremige Textur.
Besonders charakteristisch ist die Verbindung von Frische und Reife: Rieslingsäure → Cremigkeit → Mineralität → Würze
Das Finale ist trocken, mineralisch und leicht salzig, mit langem Nachhall.
Aromatik
Zitrone → Limette → Grapefruit → grüner Apfel → gelber Apfel → weißer Pfirsich → Brioche → Hefeteig → Mandel → Haselnuss → geröstetes Brot → Feuerstein → Kräuter → Salz
Mit zunehmender Flaschenreife: getrocknete Zitruszeste → Apfelschale → Honig → Walnuss → Kräutertee → Feuerstein
Auszeichnungen & Renommee
Frank John besitzt insbesondere im Bereich traditionell erzeugter Riesling-Sekte einen ausgezeichneten Ruf. Das Weingut wird von Eichelmann mit vier Sternen geführt und zählt zu den renommierten biodynamisch arbeitenden Betrieben der Pfalz. Für den konkreten Riesling brut „36“ 2020 sind keine ausreichend belastbaren internationalen Spitzenbewertungen dokumentiert. Deshalb sollten hierfür keine Punktzahlen ergänzt werden.
Reifepotenzial
Durch die 36-monatige Hefereife besitzt der Sekt bereits bei seiner Freigabe eine ausgeprägte aromatische Reife.
Die Säure des Rieslings und die trockene Stilistik ermöglichen jedoch eine weitere Entwicklung.
2026–2028 → Zitrus, Apfel, Brioche und Feuerstein
2028–2031 → getrocknete Zitrusfrucht, Mandel, Walnuss und Kräuter
ab 2031 → zunehmende Reife mit Honig, Tee, Nuss und mineralisch-würzigen Noten
Die Flasche kann daher durchaus noch einige Jahre interessant bleiben.
Servieren
Serviertemperatur:
8–10 °C
Ein hochwertiges Sektglas oder ein schlankes Weißweinglas ist empfehlenswert. Ein zu kleines, enges Sektglas würde die komplexe Hefearomatik unnötig zurückhalten. Nach dem Öffnen sollte der Sekt nicht sofort vollständig getrunken werden. Mit etwas Luft kommen Brioche, Nuss und mineralische Würze stärker zur Geltung.
Speisenbegleitung
Der gereifte, trockene Rieslingsekt eignet sich hervorragend als Speisenbegleiter.
Passend sind:
Austern
Kaviar
Jakobsmuscheln
Hummer
Langoustinen
Räucherforelle
Sushi
Sashimi
gebratener Fisch
Spargel
Geflügel
Ziegenkäse
gereifter Hartkäse
Besonders gelungen:
Jakobsmuscheln mit Apfel, Sellerie und Zitronenbutter. Auch gebratener Zander mit Kräutern und einer leichten Buttersauce passt sehr gut zur Kombination aus Rieslingsäure, Perlage und Hefewürze.
Pinot Noir „Kalkstein“ 2023 · Qualitätswein · bio · biodynamisch
Frank John · Hirschhorner Hof · Neustadt-Königsbach / Pfalz
Geschichte & Herkunft
Frank und Gerlinde John erwarben den historischen Hirschhorner Hof in Königsbach 2002. Aus dem ehemaligen Zehnthof und der Schaffnei entstand ein kleines, familiengeführtes Weingut, das seit 2003 eigene Weine erzeugt. Die Familie arbeitet nach dem Leitgedanken „Große Weine alter Schule“. Heute sind auch die Kinder Dorothea und Sebastian in den Betrieb eingebunden. Der Weinbau ist biodynamisch ausgerichtet und Demeter-zertifiziert. Frank John setzt auf Handarbeit, Spontangärung und möglichst wenige Eingriffe im Keller. Die Philosophie lautet sinngemäß: nicht maximale Opulenz, sondern Spannung, Herkunft und Bekömmlichkeit.
Rebsorte & Terroir
100 % Pinot Noir / Spätburgunder. Das Traubenmaterial für den „Kalkstein“ stammt ausschließlich aus Pfälzer Weinbergen mit hohem Kalkanteil. Genau diese Herkunft ist namensgebend. Der Kalk prägt den Wein weniger durch eine plakative Mineralnote als durch Frische, kreidige Textur, feine Säure und salzige Spannung.
Kalkstein → Kreidigkeit und Spannung Pinot Noir → rote Frucht und Finesse Biodynamischer Weinbau → Ausdruck und Eigenständigkeit Holz → Struktur und Reife
Die Reben des 2023ers sind laut Parker im Durchschnitt etwa 10 bis 12 Jahre alt.
Jahrgang 2023
2023 brachte bei Frank John einen Pinot Noir hervor, der reife Frucht mit bemerkenswerter Frische verbindet. Der Wein besitzt 13 % vol. Alkohol. Trotz der reifen Frucht wirkt er nicht schwer, sondern mittelgewichtig, elegant und sehr trinkanimierend. Parker beschreibt ihn als frisch, würzig und fein, mit seidigen Tanninen und ausgeprägter kalkiger Textur.
Vinifikation & Ausbau
Die Trauben werden von Hand gelesen und traditionell auf der Maische vergoren. Frank John arbeitet dabei mit natürlichen Hefen und möglichst wenig Intervention.Der 2023er reifte 20 Monate in 500-Liter-Tonneaux. Anschließend wurde er ohne Schönung und ohne Filtration abgefüllt. Parker gibt die Abfüllung im Mai 2025 an.Das größere Holzformat ist bewusst gewählt: Das Holz soll die Struktur glätten und dem Pinot Tiefe geben, ohne die Frucht zu überdecken.
Verkostung
In der Nase zeigt sich zunächst eine bemerkenswert klare, kühle Pinot-Noir-Aromatik.
Wildkirsche → Sauerkirsche → Griotte → rote Beeren
Dazu kommen: Rosenblüten → Wacholder → Pfeffer → Rauch → Unterholz
Parker beschreibt zusätzlich eine frische, würzig-pfeffrige Nase mit Rosenblättern, Griotte, Wildkirsche und Wacholder.
Mit Luft wird die Aromatik dunkler und würziger, ohne ihre Frische zu verlieren.
Am Gaumen
Der Auftakt ist saftig und fein.
Sauerkirsche → Wildkirsche → Schlehe
Die Frucht besitzt eine bemerkenswerte Klarheit. Darunter liegt eine feine Würze von Pfeffer und Wacholder.
Besonders prägend ist die Textur: kreidig → seidig → feinkörniges Tannin → salzig
Die Säure ist vibrierend und fein ziseliert. Das Tannin besitzt Kraft, bleibt aber geschmeidig. Lobenberg hebt gerade dieses Zusammenspiel aus Säure, kreidigem Tannin und eleganter Frucht hervor und bewertet den Wein mit 95 Punkten.
Das Finale ist lang, trocken, mineralisch und salzig.
Aromatik
Wildkirsche → Sauerkirsche → Griotte → Schlehe → rote Beeren → Rosenblüten → Wacholder → schwarzer Pfeffer → Rauch → Unterholz → Kreide → Salz
Mit zunehmender Reife sind zu erwarten: getrocknete Kirsche → Waldboden → Kräuter → Pilze → Tabak → Leder → Gewürze
Auszeichnungen
Für den Jahrgang 2023 sind folgende Bewertungen dokumentiert:
95 Punkte · Heiner Lobenberg
93 Punkte · Robert Parker / Wine Advocate
94 Punkte · Weinzeche
Besonders bemerkenswert ist die Übereinstimmung der Bewertungen: Sowohl Lobenberg als auch Parker stellen Finesse, Frische, seidige Tannine, Kalkigkeit und salzige Spannung heraus.
Reifepotenzial
Der Wein besitzt ein erhebliches Reifepotenzial. Lobenberg gibt ein Trinkfenster von 2028 bis 2048 an.
2026–2028 → noch sehr jugendlich, Kirsche, Wildbeeren, Pfeffer, Kreide
2028–2033 → zunehmende Harmonie, Unterholz, Kräuter, dunklere Würze
2033–2040 → getrocknete Kirsche, Waldboden, Pilze, Tabak und Leder
2040+ → zunehmend tertiär, feinwürzig und burgundisch anmutend
Für die derzeitige Kombination aus Frische, Frucht und Struktur dürfte die Phase ab etwa 2028 besonders interessant werden.
Servieren
Serviertemperatur:
15–17 °C
Ein großes Burgunderglas ist ideal. Der 2023er sollte ausreichend Luft erhalten. Etwa 30–60 Minuten im Glas oder eine vorsichtige Dekantierung können die würzige und florale Seite stärker hervorbringen. Bei jüngeren Flaschen darf die Belüftung großzügiger ausfallen; bei zunehmender Reife empfiehlt sich ein behutsamer Umgang mit dem Wein.
Speisenbegleitung
Die elegante, salzige und kalkig strukturierte Art verlangt nicht nach besonders schweren Gerichten.
Sehr passend:
Entenbrust
Fasan
Reh
Taube
Kalbsbries
Lamm
Steinpilze
Pilzrisotto
Trüffel
geschmorte Rote Bete
gebratener Thunfisch
gereifter Hartkäse
Besonders stimmig:
Entenbrust mit Preiselbeeren und einer leicht würzigen Jus. Ebenfalls sehr passend ist Steinpilzrisotto: Die erdigen Pilzaromen greifen die Unterholz- und Würznoten des Pinot auf, während die salzige Kalksteinstruktur für Frische sorgt.
Riesling Buntsandstein 2023 · Magnum · bio · biodynamisch
Frank John · Hirschhorner Hof · Neustadt-Königsbach · Pfalz
Geschichte & Herkunft
Frank und Gerlinde John übernahmen den historischen Hirschhorner Hof in Königsbach 2002. Aus dem ehemaligen Zehnthof entstand ein kleines, familiengeführtes Weingut, das für einen bewusst traditionellen und eigenständigen Stil steht. Heute arbeiten auch die Kinder Dorothea und Sebastian im Betrieb mit. Das Weingut ist Demeter-zertifiziert und verfolgt seit Jahren einen konsequent biodynamischen Ansatz. Im Mittelpunkt stehen lebendige Böden, Handarbeit, spontane Vergärung und lange Reifezeiten. Der Anspruch des Hauses lautet „Große Weine alter Schule“.
Die Idee hinter dem „Buntsandstein“
Der Riesling Buntsandstein ist ein sogenannter Bodenwein. Frank John wollte bei seinen Rieslingen von Beginn an nicht ausschließlich einzelne Spitzenlagen abbilden, sondern den Charakter des Bodens herausarbeiten. Die Trauben für diesen Wein stammen ausschließlich von Buntsandsteinlagen. Die Weinberge verteilen sich über verschiedene Bereiche der Mittelhaardt, wodurch unterschiedliche klimatische Bedingungen zusammenkommen. Dadurch entsteht kein eng umrissener Lagencharakter, sondern ein übergreifender Ausdruck des Pfälzer Buntsandsteins.
Terroir
Buntsandstein ist charakteristisch für die Pfalz. Die kargen Böden zwingen die Reben zu tiefer Durchwurzelung. Genau darin sieht Frank John einen wesentlichen Grund für die mineralische und würzige Prägung seiner Rieslinge.
Buntsandstein → Tiefe und Mineralität Riesling → Säure und Spannung lange Hefereife → Textur und Komplexität Biodynamie → Eigenständigkeit und Bodenbezug
Jahrgang 2023
2023 begann mit einem kühlen und niederschlagsreichen Frühjahr, gefolgt von einem sehr warmen und trockenen Sommer. Der Herbst zeigte sich ausgesprochen günstig. Die Trauben wurden Mitte September nach rund 110 Tagen Vegetations- beziehungsweise Reifezeit gelesen. Das Ergebnis ist ein Riesling mit reifer Frucht, aber bemerkenswerter Frische und feiner Säurestruktur. Parker beschreibt den Wein als elegant, raffiniert und salzig, mit sehr feinem Grip und nobler Textur. Alkohol: 12 % vol.
Vinifikation & Ausbau
Frank John arbeitet mit einer ungewöhnlichen, sehr langsamen Pressung. Die Trauben werden zunächst gemahlen und verbleiben während des Pressvorgangs unterschiedlich lange in der Presse. Dadurch erhalten einzelne Partien eine kurze Maischestandzeit. Anschließend wird spontan vergoren, teilweise mit ganzen Trauben, in großen 1.200- und 2.400-Liter-Fässern. Der Wein reift rund ein Jahr auf der Vollhefe und wird erst durch natürliche Selbstklärung klar. Dieser Ausbau ist entscheidend für den Stil: Der Wein besitzt weniger reine Primärfrucht und dafür deutlich mehr Würze, Textur und Tiefe.
Verkostung
In der Nase zeigt sich eine ausgesprochen charaktervolle Rieslingaromatik.
Pfirsich → Aprikose → Mirabelle → gelbe Birne
dazu: Wiesenkräuter → Kamille → gelbe Blüten → Gelbwurz
Im Hintergrund kommen hinzu: Feuerstein → Nuss → Erde → mineralische Würze
Parker beschreibt das Bouquet als klar, elegant und leicht flintig, mit reifer, frischer Frucht sowie nussigen, floralen und kräuterigen Nuancen.
Am Gaumen
Der Wein besitzt deutlich mehr Struktur, als sein relativ leichter Alkoholgehalt zunächst vermuten lässt.
Gelbe Frucht → Pfirsich → Mirabelle → Birne
gehen über in: Kräuter → Kamille → Gewürz → mineralische Würze.
Auffällig ist der feine Gerbstoff-Grip. Der Riesling wirkt dadurch fast fleischig und besitzt eine ungewöhnlich griffige Textur. Lobenberg beschreibt diese Tanninstruktur als so markant, dass sie blind beinahe an einen Rotwein erinnern kann.
Die Säure bleibt dabei präzise und fein. Die malolaktische Gärung macht den Wein vollständig stabil, ohne ihm eine cremig-milchige Note zu verleihen.
Das Finale ist lang, trocken, salzig und von Zitrus- und Nussnoten geprägt.
Aromatik
Pfirsich → Aprikose → Mirabelle → gelbe Birne → Zitrone → Grapefruit → gelbe Blüten → Wiesenkräuter → Kamille → Gelbwurz → Nuss → Feuerstein → Erde → Salz
Mit weiterer Reife: getrocknete Aprikose → Kräutertee → Nuss → Honig → Apfelschale → mineralische Würze
Auszeichnungen
Der Jahrgang 2023 erhielt:
94–95 Punkte · Heiner Lobenberg
94 Punkte · Robert Parker / Wine Advocate
94 Punkte · Weinzeche
Damit gehört der 2023er zu den besonders hoch bewerteten Weinen des Hauses.
Reifepotenzial
Das Reifepotenzial ist ausgesprochen hoch. Lobenberg nennt ein Trinkfenster von 2024 bis 2043.
2026–2029 → Pfirsich, Aprikose, Mirabelle, Kräuter und Feuerstein
2029–2034 → mehr Nuss, getrocknete Zitrusfrucht, Kräutertee und mineralische Würze
2034–2043 → zunehmende Reife mit Honig, getrockneten Früchten, Waldboden und komplexen Kräuternoten
Die Magnum
Die Magnum ist für diesen Wein besonders attraktiv. Das größere Flaschenvolumen verlangsamt die Reifung und ermöglicht eine besonders harmonische Entwicklung von Säure, Frucht und Textur. Gerade ein Riesling mit dem hohen natürlichen Säurepotenzial und der langen Hefereife von Frank John kann davon profitieren. Für die langfristige Kellerlagerung ist die Magnum daher die besonders interessante Gebindegröße.
Servieren
Serviertemperatur:
10–12 °C
Ein großes Riesling- oder Weißweinglas ist empfehlenswert. Der Wein profitiert deutlich von Luft. Eine Öffnung etwa 30–60 Minuten vor dem Genuss lässt die Kräuter-, Nuss- und Mineralnoten stärker hervortreten. Bei einer gereiften Magnum kann vorsichtiges Dekantieren sinnvoll sein, insbesondere wenn sich Depot gebildet hat.
Speisenbegleitung
Durch die ungewöhnliche Textur und den feinen Grip eignet sich der Wein nicht nur für leichte Fischgerichte.
Besonders passend:
gebratener Zander
Saibling
Forelle
Kabeljau
Jakobsmuscheln
Geflügel
Kalbfleisch
Spargel
Artischocken
Pilze
Kürbis
Sellerie
asiatische Küche
gereifter Ziegenkäse
Besonders stimmig: Gebratener Zander mit Sellerie, brauner Butter und Kräutern. Auch gebratene Steinpilze mit Kartoffel und Petersilie funktionieren hervorragend, da die erdig-würzige Seite des Gerichts den Buntsandsteincharakter aufgreift.
Riesling brut „36“ · Sekt b.A. Pfalz · 2019 · Magnum · bio · biodynamisch
Frank John · Hirschhorner Hof · Neustadt-Königsbach / Pfalz
Geschichte & Herkunft
Der Hirschhorner Hof in Königsbach ist ein historischer, etwa 400 Jahre alter Hof, den Frank und Gerlinde John 2002 übernahmen. Aus dem ehemaligen Zehnthof entstand ein kleines, eigenständiges Weingut mit historischem Gewölbekeller. Seit 2003 entstehen hier Weine und Sekte nach dem Anspruch „Große Weine alter Schule“.
Frank John bringt seine Erfahrung als Önologe und ehemaliger Kellermeister von Reichsrat von Buhl in den Betrieb ein. Seit 2012 ist das Weingut Demeter-zertifiziert und arbeitet konsequent biodynamisch. Im Mittelpunkt stehen lebendige Böden, Handarbeit, spontane Vergärung und lange Reifezeiten.
Die Geschichte des „36“
Die Bezeichnung „36“ verweist auf die außergewöhnlich lange Reifezeit des Sektes auf der Hefe. Der Riesling-Grundwein des Jahrgangs 2019 wurde nach traditioneller Flaschengärung 36 Monate auf der Hefe gereift. Dadurch entsteht ein Sektstil, der deutlich stärker in Richtung großer, gereifter Schaumweine geht als ein klassischer junger Rieslingsekt. Gerade bei Riesling ist diese lange Hefereife besonders interessant: Die natürliche Säure sorgt für Frische, während die Hefe Zeit gibt für Brioche, Nuss, Gebäck und eine cremigere Textur.
Rebsorte & Herkunft
100 % Riesling. Die Weinberge des Hirschhorner Hofs liegen im Raum Neustadt-Königsbach. Die dortigen Buntsandsteinböden sind eine wichtige Grundlage für den mineralisch-würzigen Charakter der Weine.
Buntsandstein → Würze und Mineralität Riesling → Säure und Spannung lange Hefereife → Brioche und Cremigkeit Biodynamie → Eigenständigkeit und Herkunft
Jahrgang 2019
2019 brachte in der Pfalz einen warmen und zugleich sehr konzentrierten Jahrgang hervor. Für Riesling waren die kühlen Nächte und die erhaltene Säure besonders wertvoll. Gerade diese Kombination aus reifer Frucht und lebendiger Säure eignet sich hervorragend für hochwertigen Sekt mit längerer Hefelagerung. Der 2019er besitzt dadurch genügend Substanz für die 36-monatige Reife, ohne an Frische zu verlieren.
Herstellung
Frank John arbeitet bei seinen Sekten traditionell und mit möglichst wenigen Eingriffen. Die Grundweine werden spontan vergoren, bevor die zweite Gärung auf der Flasche erfolgt. Anschließend liegt der Sekt lange auf der Hefe. Beim „36“ steht diese lange Hefereife im Zentrum:
Grundwein → traditionelle Flaschengärung → 36 Monate Hefelager → Degorgierung → Brut
Der Ausbau erfolgt nach der Philosophie des Hauses möglichst naturbelassen. Reinzuchthefen und starke technische Eingriffe werden vermieden.
Verkostung
Im Glas zeigt sich ein helles Goldgelb mit feiner, anhaltender Perlage.
Die Nase verbindet Rieslingfrische mit deutlich gereiften Sektaromen.
Zitrone → Limette → grüner Apfel → gelber Apfel
dazu: Brioche → Hefeteig → Mandel → Haselnuss → geröstetes Brot
Im Hintergrund finden sich: Feuerstein → Kräuter → nasse Steine → leichte Rauchigkeit
Mit Luft entwickelt sich die Aromatik weiter in Richtung reifer Zitrusfrucht und Nuss.
Am Gaumen
Der Auftakt ist trocken, feinperlig und ausgesprochen frisch.
Zitrone → Grapefruit → grüner Apfel
werden von einer lebendigen Rieslingsäure getragen.
Danach wird der Wein cremiger: Brioche → Mandel → Hefeteig → geröstete Nüsse
Die Perlage wirkt fein integriert und unterstützt eher die Textur, als dass sie sich in den Vordergrund stellt.
Charakteristisch ist die Balance aus: Frische → Cremigkeit → Mineralität → Würze
Das Finale ist trocken, salzig und lang.
Aromatik
Zitrone → Limette → Grapefruit → grüner Apfel → gelber Apfel → weißer Pfirsich → Brioche → Hefeteig → Mandel → Haselnuss → geröstetes Brot → Feuerstein → Kräuter → Salz
Mit weiterer Flaschenreife: getrocknete Zitrusschale → Apfelschale → Honig → Walnuss → Kräutertee → Feuerstein
Auszeichnungen & Renommee
Beim Riesling brut „36“ steht weniger eine große Zahl internationaler Bewertungen im Vordergrund als die handwerkliche Besonderheit und die lange Hefereife. Frank John genießt insbesondere für seine traditionellen Riesling-Sekte einen sehr guten Ruf. Das Weingut wird von Eichelmann mit vier Sternen geführt. Auch frühere Sekte des Hauses erhielten sehr gute Bewertungen in Fachverkostungen. Für den konkreten Jahrgang 2019 sollten keine nicht eindeutig belegbaren Punktbewertungen ergänzt werden.
Reifepotenzial
Durch den bereits langen Hefekontakt besitzt der Sekt eine gute Reifegrundlage. Die Magnum unterstützt zusätzlich eine langsamere Entwicklung.
2026–2028 → Zitrus, Apfel, Brioche, Feuerstein
2028–2031 → mehr Nuss, getrocknete Zitrusfrucht, Kräuter und Honig
2031+ → zunehmende Reife- und Hefenoten, Walnuss, Tee und mineralische Würze
Die Magnum eignet sich daher hervorragend für die weitere Kellerreife.
Die Magnum
Die 1,5-Liter-Flasche ist bei einem gereiften Rieslingsekt besonders reizvoll. Durch das größere Flaschenvolumen entwickelt sich der Sekt langsamer. Die Perlage bleibt länger frisch, während sich die gereiften Aromen allmählicher miteinander verbinden.
Servieren
Serviertemperatur:
8–10 °C
Am besten in einem hochwertigen Sekt- oder Weißweinglas mit ausreichend Volumen. Eine sehr kalte Serviertemperatur würde die gereiften Hefearomen unterdrücken. Etwas Wärme bringt Brioche, Nuss und Feuerstein deutlich besser zur Geltung.
Speisenbegleitung
Der trockene, gereifte Rieslingsekt ist hervorragend als Speisenbegleiter geeignet.
Besonders passend:
Austern
Kaviar
Jakobsmuscheln
Hummer
Langoustinen
Räucherforelle
Sushi
Sashimi
gebratener Fisch
Geflügel
Spargel
Ziegenkäse
gereifter Hartkäse
Besonders schön:
Jakobsmuscheln mit Apfel, Sellerie und einer leichten Zitronenbutter. Die Kombination aus Rieslingsäure, feiner Perlage und Hefewürze harmoniert hervorragend mit der Süße der Muschel und der Frische von Apfel und Zitrone.
Pinot Noir „Kalkstein“ 2020 · Qualitätswein · bio · biodynamisch · Magnum
Frank John · Hirschhorner Hof · Neustadt-Königsbach / Pfalz
Geschichte & Herkunft
Frank John übernahm den rund 400 Jahre alten Hirschhorner Hof gemeinsam mit seiner Frau Gerlinde im Jahr 2002. Der ehemalige Zehnthof und die Schaffnei wurden zum Weingut mit historischem Gewölbekeller umgebaut. Seit 2003 entstehen dort eigene Weine nach dem Leitgedanken „Große Weine alter Schule“. Frank John bringt dafür seine Erfahrung als Önologe und ehemaliger Kellermeister von Reichsrat von Buhl ein.
Der Betrieb arbeitet seit seinen Anfängen biologisch-dynamisch; seit 2012 ist er Demeter-zertifiziert. Im Weinberg stehen Biodiversität, Humusaufbau und vitale Böden im Mittelpunkt. Die Trauben werden selektiv von Hand gelesen, häufig in mehreren Durchgängen.
Das Terroir „Kalkstein“
Der Name ist hier Programm: Das Lesegut stammt ausschließlich von Pfälzer Lagen mit hohem Kalkanteil. Der Kalkboden soll dem Pinot Noir insbesondere Finesse, Frische, Würze und mineralische Tiefe verleihen. Für den Jahrgang 2020 werden Parzellen unter anderem bei Gimmeldingen, Haardt, Kallstadt, Mußbach und Neustadt genannt. Die Böden sind kalkreich; beschrieben werden kalkhaltiger Lehm und Löss.
Kalkstein → Frische und Spannung Pinot Noir → rote Frucht und Finesse Biodynamie → Ausdruck und Tiefe Holz → Struktur und Reife
Jahrgang 2020
2020 war in der Pfalz ein warmer und trockener Jahrgang. Beim Pinot Noir gelang es Frank John, die Reife mit einer lebendigen Säure und feinen Tanninstruktur zu verbinden. Der Wein besitzt 12,5 % vol. Alkohol, 6,8 g/l Säure und 4 g/l Restzucker. Trotz der reifen Frucht wirkt er daher nicht schwer, sondern eher elegant und geradlinig.
Vinifikation & Ausbau
Frank John arbeitet bei seinen Rotweinen ausgesprochen traditionell. Die Pinot-Noir-Trauben werden auf der Maische spontan vergoren, mit einem hohen Anteil ganzer Trauben. Anschließend folgt der biologische Säureabbau. Danach erhält der Wein ungewöhnlich viel Zeit für Ausbau und Reife: bis zu zwei Jahre in 225-Liter-Barriques und 500-Liter-Tonneaux. Der 2020er wurde nach rund 24 Monaten Fassreife unfiltriert abgefüllt. Vor der Abfüllung erfolgt nur eine geringe Schwefelzugabe. Das Ergebnis ist kein stark holzbetonter Pinot, sondern ein Wein, bei dem das Holz vor allem für Textur und Reife sorgt.
Verkostung
Die Farbe ist helles, glänzendes Rubinrot – typisch für einen Pinot Noir, bei dem Eleganz wichtiger ist als maximale Farbdichte.
In der Nase zeigen sich zunächst: Sauerkirsche → Süßkirsche → Himbeere → rote Johannisbeere
Dazu kommen: Hagebutte → Rhabarber → Kräuter → Unterholz → Waldbeeren
Mit etwas Luft entwickeln sich rauchige und würzige Nuancen: schwarze Olive → Rauch → Krokant → Erde → feine Pilznoten
Diese Kombination aus heller roter Frucht und erdig-würziger Tiefe ist besonders charakteristisch für den Wein.
Am Gaumen
Der Auftakt ist saftig und elegant.
Rote Johannisbeere → Himbeere → Sauerkirsche → Süßkirsche
Die Frucht wird von einer lebendigen, fein eingebundenen Säure getragen. Dazu kommt ein feinkörniges, samtiges Tannin.
Die Textur ist eher seidig als kraftvoll: feines Tannin → cremiger Schmelz → kalkige Mineralität → Würze
Der Wein besitzt dadurch einen bemerkenswerten Trinkfluss. Vinoterra beschreibt ihn als fein und vielschichtig, mit Schmelz, engmaschigem Tannin, feingliedriger Säure und cremiger Textur.
Im langen Finale treten Würze, Mineralität und eine leichte Bitternote stärker hervor.
Aromatik
Sauerkirsche → Süßkirsche → Himbeere → rote Johannisbeere → Sanddorn → Rhabarber → Hagebutte → Kräuter → Unterholz → schwarze Olive → Rauch → Krokant → Kalkstein → feine Erde
Mit weiterer Reife: getrocknete rote Beeren → Waldboden → Pilze → Tabak → Leder → Kräuter → Gewürze
Auszeichnungen
Für den Jahrgang 2020 wird eine Bewertung von 94 Punkten durch Robert Parker / Wine Advocate geführt.
Daneben findet sich eine sehr positive internationale Rezeption des Weins, wobei insbesondere seine Eleganz, Finesse und biodynamische Herkunft hervorgehoben werden.
Reifepotenzial
Der Wein ist bereits zugänglich, besitzt aber dank Säure, Tannin und langem Holzausbau ein sehr gutes Entwicklungspotenzial. Als Trinkfenster werden etwa 10–12 Jahre beziehungsweise 2023–2035 genannt.
Für die Magnum ist aufgrund des langsameren Reifeverlaufs ein besonders gutes Entwicklungspotenzial zu erwarten.
2026–2028 → Kirsche, Himbeere, rote Johannisbeere, Kräuter und feine Rauchigkeit
2028–2031 → mehr Unterholz, getrocknete Beeren, Pilz und würzige Tiefe
2031–2035+ → stärker tertiäre Aromen von Waldboden, Leder, Tabak und getrockneten Kräutern
Die Magnum
Die 1,5-Liter-Flasche ist für diesen Wein besonders interessant. In der Magnum reift Pinot Noir langsamer als in der 0,75-Liter-Flasche. Das unterstützt eine besonders harmonische Entwicklung von Frucht, Säure und Tannin. Gerade bei einem naturbelassen ausgebauten Pinot Noir mit langem Fasslager kann die Magnum daher eine hervorragende Wahl für die längere Kellerreife sein.
Servieren
Serviertemperatur:
15–17 °C
Für eine junge Magnum sind 1–2 Stunden Belüftung empfehlenswert; bei einer gereiften Flasche sollte vorsichtiger vorgegangen werden.
Ein großes Burgunderglas unterstützt die feingliedrige Aromatik. Bei einer älteren Flasche empfiehlt sich das vorsichtige Dekantieren vor allem wegen eines möglichen Depotanteils.
Speisenbegleitung
Die elegante Struktur verlangt nach Gerichten, die den Pinot nicht überdecken.
Besonders passend:
Ente
Gans
Wildgeflügel
Reh
Fasan
Kalb
Lamm
Pilzgerichte
geschmortes Fleisch
Geflügel mit dunkler Sauce
Trüffel
gereifter Hartkäse
Sehr stimmig:
Entenbrust mit Kirsche, Sellerie und einer leicht würzigen Jus. Auch Reh mit Pilzen und Wacholder passt hervorragend zur Verbindung aus roter Frucht, Kräutern, Unterholz und feinem Tannin.
Grande Marée Riesling brut No. 4 · Bio · biodynamisch
Weinkontor Frank John · Hirschhorner Hof · Neustadt-Königsbach / Pfalz
Geschichte & Herkunft
Der Hirschhorner Hof ist ein historischer, rund 400 Jahre alter Renaissancebau in Königsbach. Frank und Gerlinde John erwarben den ehemaligen Zehnthof und die Schaffnei im Jahr 2002 und bauten ihn zu ihrem Weingut mit einem beeindruckenden Kreuzgewölbekeller aus. Seit 2003 wird dort Wein erzeugt – nach dem Leitgedanken „Große Weine alter Schule“.
Frank John war zuvor Önologe und Kellermeister beim Weingut Reichsrat von Buhl und arbeitet zusätzlich als önologischer Berater. Seine eigenen Weine entstehen bewusst mit traditionellen Methoden, langer Reife und möglichst wenigen Eingriffen. Seit dem Jahrgang 2012 ist der Betrieb Demeter-zertifiziert.
Die Idee hinter der Grande Marée
Der Grande Marée ist kein gewöhnlicher Riesling-Sekt. Die Idee entstand nach Verkostungen von sogenannten Unterwasser-Sekten und -Champagnern. Frank John wollte untersuchen, ob die besondere Reifung unter Wasser geschmacklich wahrnehmbare Unterschiede hervorbringt und ob sich damit auch die biodynamische Arbeitsweise sinnlich vermitteln lässt. Die erste Präsentation des Grande Marée fand am 16. Dezember 2019 statt. Edition Nr. 4 basiert auf einem Riesling-Grundwein des Jahrgangs 2017 und reifte 36 Monate auf der Hefe. Damit ist die „Nr. 4“ nicht als klassischer Jahrgang 2021 zu verstehen, sondern als vierte Edition der Grande-Marée-Serie. Der Grundwein stammt aus 2017.
Das außergewöhnliche Reifeexperiment
Das Besondere an der Grande-Marée-Serie ist die Unterwasserreifung. Die Flaschen wurden für 390 Tage in rund 60 Metern Tiefe auf dem Meeresboden gelagert. Dort herrschen Dunkelheit, niedrige Temperaturen und ein konstanter Wasserdruck. Die Flaschen sind während dieser Zeit praktisch keiner Bewegung und keinem Licht ausgesetzt. Die Unterwasserlagerung ersetzt dabei nicht die klassische Sektbereitung, sondern bildet ein zusätzliches Reifeexperiment. Gerade deshalb besitzt der Grande Marée einen ausgesprochenen Sammler- und Raritätencharakter.
Biodynamie
Frank John verwendet seit dem ersten Jahrgang ausschließlich Trauben aus biologisch-dynamischem Anbau. Seit 2012 ist der Betrieb Demeter-zertifiziert. Im Weinberg wird mit Handarbeit, mehrmaligen Lesedurchgängen und sorgfältiger Selektion gearbeitet. Auch im Keller ist die Philosophie konsequent:
Handlese → Spontangärung → Holzfass → lange Hefereife → minimale Schwefelgabe
Die Grundweine werden ohne Temperaturkontrolle und ohne Reinzuchthefen vergoren. Stabilisierung und Schönungsmaßnahmen werden weitgehend vermieden.
Rebsorte & Terroir
100 % Riesling.
Die Weinberge des Hirschhorner Hofes stehen auf Buntsandstein. Dieser Untergrund prägt den Riesling mit einer eher würzigen, mineralischen und trockenen Struktur.
Buntsandstein → Würze und Mineralität Riesling → Säure und Spannung Holzfass → Schmelz und Tiefe lange Hefereife → Brioche und Cremigkeit Unterwasserreife → zusätzliche Ruhe und Eigenständigkeit
Herstellung
Der Grundwein wird spontan in großen Eichenholzfässern vergoren. Anschließend erfolgt die traditionelle Flaschengärung mit langer Hefelagerung. Für Edition Nr. 4 werden 36 Monate Hefelagerung angegeben. Kurz vor der Abfüllung wird nur minimal geschwefelt. Der Wein wird als Brut geführt.
Alkohol:
11,5 % vol.
Restzucker:
etwa 3–4 g/l
Säure:
etwa 6,4 g/l
Damit bleibt der Sekt ausgesprochen trocken und besitzt gleichzeitig genügend Frische für eine lange Reifung.
Verkostung
Die Aromatik ist deutlich komplexer als bei einem jungen Riesling-Sekt.
Zitrone → Limette → grüner Apfel → gelber Apfel → weißer Pfirsich
dazu:
Brioche → Hefeteig → geröstete Nüsse → Kräuter → Feuerstein
Mit zunehmender Luft treten würzige und leicht oxidative Nuancen hinzu:
Apfelschale → getrocknete Zitruszeste → Honig → Nuss → mineralische Würze
Die lange Hefereife sorgt für einen cremigen, feinwürzigen Unterton, während der Riesling die notwendige Frische bewahrt.
Am Gaumen
Der Auftakt ist ausgesprochen feinperlig und trocken.
Die Perlage wirkt nicht aggressiv, sondern integriert sich in die cremige Textur.
Zitrone → Grapefruit → grüner Apfel → gelbe Frucht
gehen über in:
Brioche → Hefe → Mandel → Nuss → Feuerstein
Die Säure verleiht dem Sekt Spannung und verhindert, dass die lange Hefereife schwer wirkt.
Das Finale ist trocken, mineralisch und lang.
Gerade die Kombination aus Rieslingsäure und langer Hefereife macht den Grande Marée so interessant: Frische und Reife stehen nebeneinander, ohne dass eine Seite die andere überdeckt.
Aromatik
Zitrone → Limette → Grapefruit → grüner Apfel → gelber Apfel → weißer Pfirsich → Brioche → Hefeteig → Mandel → Haselnuss → Kräuter → Feuerstein → Salz
Mit weiterer Reife:
getrocknete Zitrusfrucht → Honig → Walnuss → Kräutertee → Feuerstein → dezente oxidative Noten
Auszeichnungen & Renommee
Der Grande Marée ist vor allem wegen seiner außergewöhnlichen Herstellung und seiner Seltenheit bekannt. Für die konkrete Edition Nr. 4 lassen sich keine belastbaren internationalen Punktbewertungen finden, die mit den großen Riesling-GGs vergleichbar wären.
Das Weingut selbst kann allerdings auf bemerkenswerte fachliche Anerkennung zurückblicken. Bereits früh wurden die Rieslinge und Sekte von Frank John in der Fachpresse hervorgehoben; der Betrieb wird unter anderem im Eichelmann mit vier Sternen geführt.
Besonders bemerkenswert ist die historische Anerkennung des Riesling-Sekt-Stils: In der vom Weingut dokumentierten Weinwelt-Verkostung wurde ein Riesling Sekt Brut Nature mit 92 Punkten bewertet und unter die Top 10 gesetzt.
Beim Grande Marée selbst steht jedoch eindeutig das ungewöhnliche Reifeverfahren im Mittelpunkt.
Reifepotenzial
Die Kombination aus Riesling, niedrigem Alkohol, trockener Dosage und langer Hefereife macht den Grande Marée sehr lagerfähig.
Für die Edition Nr. 4 wird ein Trinkfenster bis etwa 2028 genannt.
Da der zugrunde liegende Riesling bereits aus 2017 stammt und die Edition lange auf der Hefe sowie zusätzlich unter Wasser reifte, kann die Entwicklung jedoch durchaus über das angegebene Fenster hinaus interessant bleiben.
2026–2028 → Zitrus, Apfel, Brioche, Feuerstein, frische Mineralität
2028–2030+ → getrocknete Zitrusfrucht, Nuss, Honig, Kräuter und zunehmend reife Rieslingnoten
Servieren
Serviertemperatur:
8–10 °C
Für die optimale Entfaltung empfiehlt sich ein etwas größeres Sekt- oder Weißweinglas statt einer sehr schmalen Flöte.
Die Flasche sollte nach dem Öffnen nicht sofort ausgetrunken werden. Mit etwas Luft entwickelt sich die Verbindung aus Rieslingfrucht, Hefereife und mineralischer Würze deutlich weiter.
Speisenbegleitung
Der Grande Marée besitzt genügend Struktur, um weit über den klassischen Aperitif hinaus eingesetzt zu werden.
Sehr passend:
Austern
Kaviar
Jakobsmuscheln
Hummer
Langoustinen
Räucherforelle
Sushi
Sashimi
Meeresfrüchte
gebratener Fisch
Frühlingsgemüse
Spargel
Geflügel
Ziegenkäse
Besonders überzeugend:
Austern mit etwas Zitronenzeste.
Ebenso passend:
Räucherforelle mit Meerrettich, Apfel und Kräutern – die Rieslingsäure schneidet durch die Rauchigkeit und das Fett, während die Hefereife genügend Substanz für die Speise besitzt.
Frank John: Eure Entdeckung puristischer Weine aus der Pfalz
Willkommen in der Welt von Frank John, einem Weingut in der Pfalz, das sich kompromisslos der Natur und der Reinheit verschrieben hat. Frank John, ein erfahrener Winzer, verfolgt eine klare Vision: Er möchte Weine kreieren, die das einzigartige Terroir und die Seele der Rebsorte ohne jegliche Ablenkung widerspiegeln. Seit der Gründung des Weinguts in Wachenheim an der Weinstraße steht die Überzeugung im Mittelpunkt, dass großer Wein im Weinberg entsteht.
Biodynamik in Reinkultur: Die Philosophie von Frank John
Das Herzstück der Weine von Frank John ist der biologisch-dynamische Anbau, der auch durch das Demeter-Zertifikat bestätigt wird. In den prestigeträchtigen Lagen der Mittelhaardt, wie dem Wachenheimer Gerümpel und dem Wachenheimer Luginsland, wird die Natur als Partnerin betrachtet. Der Boden wird als lebendiger Organismus verstanden, der mit sorgfältiger Handarbeit und tiefer Achtung vor den natürlichen Kreisläufen gepflegt wird. Diese Philosophie der Nachhaltigkeit und Authentizität ist der Grundpfeiler für jeden Wein von Frank John.
Riesling und Spätburgunder: Terroir-Geschichten in der Flasche
Entdeckt das beeindruckende Portfolio, das sich auf die beiden wichtigsten Rebsorten des Weinguts konzentriert: Riesling und Spätburgunder. Die Rieslinge sind von einer klaren, mineralischen Präzision und Tiefe geprägt, während die Spätburgunder mit ihrer Eleganz und feinen Frucht begeistern. Bei Frank John erwartet euch eine puristische Handschrift, die auf natürliche Spontangärung und einen schonenden Ausbau setzt. Jeder Schluck eines Weins von Frank John erzählt die unverfälschte Geschichte seines Jahrgangs und der Pfälzer Spitzenlage, aus der er stammt.
Handwerk und Geduld: Die Kunst der Vinifikation
Im Keller setzt sich die kompromisslose Arbeitsweise fort. Die Weine von Frank John reifen in aller Ruhe, oft in großen Holzfässern, und werden ohne Schönung oder Filtration abgefüllt. Das Ergebnis sind ehrliche, charakterstarke und langlebige Weine, die mit ihrer Authentizität überzeugen. Mit jedem Wein von Frank John haltet ihr ein Stück Handwerkskunst in den Händen, das Geduld, Leidenschaft und Respekt vor der Natur vereint.
Lasst euch von der klaren und unverwechselbaren Stilistik von Frank John begeistern und erlebt, wie pure Natur in jeder Flasche schmeckt.
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