Rheingau Pinot Noir 2022
Chat Sauvage · Johannisberg / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Chat Sauvage ist im Rheingau eine echte Ausnahmeerscheinung. Während die Region international vor allem für Riesling bekannt ist, konzentriert sich das Weingut konsequent auf die beiden Burgundersorten Pinot Noir und Chardonnay. Gegründet wurde Chat Sauvage Anfang der 2000er Jahre; heute wird das Weingut von Verena Schöttle geleitet. Rund 8 Hektar Rebfläche zwischen Winkel und Lorch werden bewirtschaftet.
Die Philosophie ist stark burgundisch geprägt: Handlese, niedrige Erträge, sorgfältige Selektion und Ausbau in französischer Eiche. Beim Pinot Noir beträgt der Fassausbau grundsätzlich rund 22 Monate.
Der „Rheingau Pinot Noir“ ist dabei der Einstieg in die Pinot-Noir-Welt von Chat Sauvage. Er soll die Handschrift des Hauses zeigen, ohne an eine einzelne Spitzenlage gebunden zu sein.
Der Jahrgang 2022
2022 war für Chat Sauvage ein besonders guter Pinot-Noir-Jahrgang. Falstaff beschreibt die Pinot Noirs des Hauses aus 2022 als besonders gelungen, vor allem hinsichtlich der Qualität und Feinheit der Gerbstoffe.
Der Wein besitzt 13,5 % vol. Alkohol. Der Stil ist trocken, kühl und burgundisch geprägt.
Charakteristisch ist weniger eine üppige Süße als vielmehr das Zusammenspiel von:
rote Frucht → Kräuter → Holz → Säure → feines Tannin → Mineralität
Ausbau
Der Pinot Noir wird traditionell und mit viel Geduld ausgebaut. Chat Sauvage setzt bei seinen Pinot Noirs auf französische Barriques; der Ausbau beträgt rund 22 Monate.
Das Holz soll vor allem Struktur geben. Beim 2022er steht deshalb nicht die Vanille- oder Röstaromatik im Vordergrund, sondern eine Kombination aus Frucht, Würze und feinem Holzton.
Verkostung
Im Glas zeigt sich ein klares, eher dunkles Rubinrot.
Die Nase wirkt zunächst kühl und etwas zurückhaltend.
Typische Eindrücke:
Sauerkirsche → rote Kirsche → Himbeere → rote Johannisbeere
Dazu kommen:
kühle Kräuter → Waldboden → dezenter Rauch → Feuerstein → feine Holzwürze
Die Verkostungsbeschreibung des 2022er nennt ausdrücklich raffinierte rote Früchte, Waldboden, kühle Kräuter und einen Hauch Feuerstein.
Am Gaumen
Der Wein zeigt eine für Chat Sauvage typische Verbindung aus Kühle, Frische und Struktur.
Der Auftakt ist saftig und feinfruchtig. Danach kommen die Tannine stärker hervor.
rote Frucht → Säure → feines Tannin → Mineralität
Das Tannin ist nicht aggressiv, sondern fein und elegant.
Gleichzeitig besitzt der Wein genügend Grip, um nicht weich oder beliebig zu wirken.
Der Abgang ist für einen Wein dieser Kategorie bemerkenswert lang und fokussiert. Eine aktuelle Verkostungsbeschreibung hebt insbesondere die mineralische Spannung und das große Entwicklungspotenzial hervor.
Aromatik
Sauerkirsche → rote Kirsche → Himbeere → rote Johannisbeere → Walderdbeere → Kräuter → Waldboden → Feuerstein → Rauch → dezente Holzwürze
Mit zunehmender Flaschenreife dürften sich stärker entwickeln:
Unterholz → getrocknete Kräuter → Leder → Tabak → Pilz
Auszeichnungen
Beim allgemeinen Rheingau Pinot Noir 2022 ist die Quellenlage weniger spektakulär als bei den Spitzenweinen des Hauses. Wichtig ist deshalb, die hervorragenden Bewertungen der Lagenweine nicht dem Gutswein zuzuschreiben.
Der 2022er Jahrgang von Chat Sauvage insgesamt wurde allerdings sehr hoch eingeschätzt. Falstaff hebt insbesondere die Qualität der Pinot Noirs hervor.
Zum Vergleich:
Johannisberger Hölle 2022: 94 Punkte Falstaff
Lorch Schlossberg 2022: 96+ Punkte Falstaff
Le Schulz 2022: 97 Punkte Falstaff in der Verkostung 2025; 2026 sogar 96+ Punkte in einer weiteren Verkostung.
Das zeigt sehr schön, wie stark die qualitative Spitze innerhalb der Chat-Sauvage-Kollektion 2022 war.
Reifepotenzial
Der Rheingau Pinot Noir 2022 ist heute schon zugänglich, aber noch deutlich zu jung, um sein gesamtes Potenzial zu zeigen.
Servieren
14–16 °C
Nicht zu warm.
Ein großes Pinot-Noir-Glas ist ideal.
Jung geöffnet würde ich ihm 30–45 Minuten Luft geben.
Eine Dekantierung ist möglich, aber nicht zwingend. Ich würde zunächst probieren, wie sich die Flasche im Glas entwickelt.
Speisenbegleitung
Der Wein ist ausgesprochen vielseitig.
Sehr gut zu:
Ente
Fasan
Perlhuhn
Kalb
Kaninchen
Wildgeflügel
Pilzen
Steinpilzen
Trüffel
Pasta mit Pilzen
Risotto
gebratenem Gemüse
mildem Hartkäse
Besonders passend:
Perlhuhn mit Steinpilzen und Kräuterjus.
Die rote Frucht nimmt die Röstaromen des Geflügels auf, während Säure und Mineralität die Jus auffrischen.
Auch Tagliatelle mit Steinpilzen und Parmesan wäre eine sehr schöne Kombination.
Rheingau Chardonnay 2024 · QbA
Chat Sauvage · Johannisberg / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Chat Sauvage ist im Rheingau eine echte Besonderheit: Das Weingut konzentriert sich nicht auf Riesling, sondern ausschließlich auf die Burgundersorten Spätburgunder und Chardonnay. Gegründet wurde das Projekt von dem Hamburger Unternehmer Günter Schulz; die ersten eigenen Weinbauaktivitäten begannen um 2000/2001. Heute wird das Weingut von Verena Schöttle geleitet. Rund 8 Hektar Rebfläche zwischen Winkel und Lorch gehören inzwischen zum Betrieb.
Der erste Chardonnay wurde 2006 im Winkeler Dachsberg gepflanzt. Damit war der Grundstein für eine Chardonnay-Linie gelegt, die heute vom Rheingau Chardonnay als Gutswein bis zum Spitzenwein Clos de Schulz reicht.
Der Rheingau Chardonnay ist dabei bewusst nicht als einfacher Einstiegswein angelegt. Bereits früh wurde der Guts-Chardonnay von Fachautoren als ungewöhnlich kraftvoll, komplex und lang für diese Kategorie beschrieben.
Der Jahrgang 2024
Der 2024er ist ein trockener Qualitätswein aus Chardonnay. Das Weingut selbst gibt aktuell 13,0 % vol. an; Händlerangaben nennen je nach Abfüllungs-/Datenstand 12,5–13 %.
Die analytischen Angaben eines Fachhändlers lauten 5,1 g/l Säure und 2 g/l Restzucker. Damit ist der Wein trocken, besitzt aber genügend Säure für Frische und Spannung.
Stilistisch steht der 2024er zwischen klassischem Rheingau und Burgund: gelbe Frucht, cremige Textur, dezenter Holzeinfluss und mineralische Spannung.
Terroir
Der Chardonnay wächst auf skelettreichen Böden aus Löss-Lehm mit Quarziteinlagerungen. Diese mineralische Grundlage ist ein wichtiger Teil des Stils von Chat Sauvage.
Quarzit und die steinigen Rheingauer Böden geben dem Wein einen Gegenpol zur cremigen Chardonnay-Frucht. Dadurch entsteht nicht einfach ein weicher, üppiger Chardonnay, sondern ein Wein mit Frucht, Schmelz und mineralischer Straffheit.
Ausbau
Chat Sauvage verfolgt bei Chardonnay einen bewusst burgundisch geprägten Ansatz. Französische Eiche gehört zur Stilistik des Hauses; der Chardonnay wird im Holz ausgebaut. Für den 2024er werden Barrique und französische Eiche als Ausbau angegeben.
Der entscheidende Punkt ist dabei die Einbindung des Holzes. Es soll nicht nach „neuem Holz“ schmecken, sondern Struktur, Schmelz und zusätzliche Würze liefern.
Das unterscheidet den Rheingau Chardonnay deutlich von einem rein stahltankgeprägten Chardonnay.
Verkostung
Die Nase ist zunächst kühl und zurückhaltend, öffnet sich aber mit etwas Luft.
Im Vordergrund:
gelber Apfel → Birne → Mirabelle → weißer Pfirsich → Aprikose
Dazu kommen feine Noten von:
Vanille → Joghurt → Haselnuss → dezentes Holz
Eine Händlerverkostung beschreibt den Wein als kühl und fruchtig; ein weiterer Verkoster nennt ausdrücklich Aprikose, Mirabelle, weißen Pfirsich, Joghurt, Steinobst, Vanille und Holz.
Das Interessante: Die Frucht wirkt nicht tropisch oder überreif, sondern eher gelb, kühl und elegant.
Am Gaumen
Der Auftakt ist weich und saftig, typisch Chardonnay.
Dann kommt die mineralische Seite stärker zum Vorschein.
Die Struktur lässt sich ungefähr so beschreiben:
Schmelz → gelbe Frucht → feine Säure → Mineralität → dezentes Holz
Der Wein besitzt Körper, ohne schwer zu werden.
Gerade die Verbindung aus cremiger Frucht und kleinen mineralischen Einsprengseln ist für den 2024er charakteristisch. Der Nachhall wird als fein und elegant im Burgunderstil beschrieben.
Aromatik
gelber Apfel → Birne → Mirabelle → weißer Pfirsich → Aprikose → Zitrus → Haselnuss → Joghurt → Vanille → feine Holzwürze → Stein
Mit Luft dürfte die Holzwürze etwas deutlicher werden, während sich die Frucht weiter in Richtung gelbe Steinfrucht entwickelt.
Auszeichnungen & Renommee
Für den aktuellen 2024er findet sich derzeit keine belastbare, unabhängige Spitzenbewertung.
Das Renommee des Weins ist allerdings bemerkenswert: Bereits frühere Jahrgänge des Guts-Chardonnays wurden von Fachautoren deutlich über dem üblichen Niveau eines Rheingauer Gutsweins eingeordnet. Das Weingut selbst wird im Falstaff-Weinguide auf Fünf-Sterne-Niveau geführt.
Wichtig ist deshalb, Auszeichnungen älterer Jahrgänge nicht fälschlich dem 2024er zuzuschreiben.
Reifepotenzial
Der 2024er ist bereits jung gut trinkbar.
Durch Säure, Holz und mineralische Struktur besitzt er aber mehr Reserven als ein einfacher, fruchtbetonter Gutswein.
Eine Händlerempfehlung sieht ihn bis etwa 2033.
Servieren
9–11 °C
Nicht zu kalt servieren. Bei 7–8 °C würde die cremige Textur stärker verschwinden und das Holz könnte relativ dominant erscheinen.
Ein mittelgroßes Burgunder- oder Chardonnayglas ist ideal.
Jung geöffnet würde ich ihm etwa 20–30 Minuten Luft geben.
Speisenbegleitung
Der Wein ist ausgesprochen vielseitig.
Sehr passend:
gebratener Fisch
Zander
Saibling
Forelle
Kabeljau
Garnelen
Muscheln
Geflügel
Kalb
cremige Pasta
Risotto
Spargel
Gemüse vom Grill
milder Käse
Besonders schön:
Gebratener Saibling mit brauner Butter, Mandeln und Fenchel.
Die nussigen Chardonnay-Noten greifen die Mandeln auf, während die Säure den Fisch und die Butter ausbalanciert.
Auch Risotto mit Pilzen und Parmesan passt hervorragend.
Pinot Noir „Rüdesheim“ 2019 · QbA
Chat Sauvage · Johannisberg / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Der Pinot Noir „Rüdesheim“ gehört zur burgundisch geprägten Pinot-Noir-Linie von Chat Sauvage. Das Weingut wurde Anfang der 2000er Jahre von Günter Schulz gegründet und verfolgt seitdem eine ungewöhnliche Idee für den Rheingau: Statt Riesling stehen Chardonnay und Pinot Noir im Mittelpunkt.
Die Rebflächen liegen vor allem zwischen Winkel und Lorch. Für die Pinot Noirs arbeitet Chat Sauvage mit kleinen Erträgen, selektiver Handlese und französischer Eiche. Das Ziel ist nicht, Burgund zu kopieren, sondern Pinot Noir auf Rheingauer Terroir auszudrücken.
Der „Rüdesheim“ stammt aus den Rüdesheimer Weinbergen und zeigt damit eine andere Facette als dein bereits genannter Lorcher Kapellenberg 2019.
Die Lage Rüdesheim
Rüdesheim gehört zu den klassischen Spitzenbereichen des Rheingaus. Die Weinberge profitieren von der starken Hangneigung und der Exposition zum Rhein.
Die Böden sind geprägt von Quarzit, Schiefer und Löss-Lehm. Zusammen mit dem warmen, vom Rhein beeinflussten Klima entsteht eine gute Voraussetzung für Pinot Noir mit reifer Frucht, gleichzeitig aber ausreichend Säure und mineralischer Spannung.
Im Unterschied zum kühleren Lorch ist Rüdesheim tendenziell wärmer und kraftvoller.
Das merkt man dem Wein an.
Der Jahrgang 2019
2019 war im Rheingau ein ausgesprochen guter Rotweinjahrgang.
Der Pinot Noir Rüdesheim zeigt die Vorteile dieses Jahrgangs sehr deutlich:
reife Frucht + konzentrierter Extrakt + lebendige Säure + feines Tannin
Er wirkt dadurch bereits heute relativ harmonisch, besitzt aber noch Reserven.
Ausbau
Chat Sauvage verfolgt bei seinen Pinot Noirs einen konsequent burgundischen Ausbau.
Der Wein wird in französischen Barriques ausgebaut. Das Holz liefert zusätzliche Struktur und Würze, während die Frucht des Pinot Noir erhalten bleiben soll.
Beim 2019er ist die Holznote heute bereits deutlich besser integriert als in der Jugend.
Typische zusätzliche Aromen sind:
Rauch → Kakao → Vanille → geröstete Nüsse → Gewürze
Verkostung
Im Glas zeigt sich ein dichtes Rubinrot mit leicht violetten Reflexen.
Die Nase ist ausgesprochen Pinot-Noir-typisch, aber auf der dunkleren Seite.
Im Vordergrund:
schwarze Kirsche → Sauerkirsche → Brombeere → Himbeere
Daneben:
Veilchen → Kräuter → Rauch → Kakao → feine Röstaromen
Mit Luft kommen zunehmend erdige und würzige Töne hinzu.
Waldboden → Unterholz → Tabak → Gewürze
Am Gaumen
Der Rüdesheim 2019 besitzt mehr Kraft und Fülle als der Rheingau Pinot Noir 2022.
Der Auftakt ist saftig und konzentriert.
Dann greifen Säure und Tannin ineinander:
Frucht → Struktur → Mineralität → Tannin → langer Nachhall
Das Tannin ist heute bereits gut abgeschliffen, aber noch deutlich vorhanden.
Die Säure hält den Wein frisch und verhindert, dass die reife Frucht schwer wirkt.
Der Nachhall ist lang, würzig und zunehmend erdig.
Aromatik
schwarze Kirsche → Sauerkirsche → Brombeere → Himbeere → Cassis → Veilchen → Rauch → Kakao → Tabak → Waldboden → Unterholz → Gewürze → dezente Vanille
Mit weiterer Reife dürften die tertiären Noten noch stärker hervortreten.
Auszeichnungen
Beim Pinot Noir Rüdesheim 2019 ist die öffentlich zugängliche Quellenlage zu einer belastbaren Einzelbewertung deutlich dünner als beispielsweise beim Lorcher Kapellenberg 2019.
Deshalb würde ich hier keine Punkte eines anderen Chat-Sauvage-Pinots übertragen.
Der Jahrgang 2019 des Weinguts genießt allerdings insgesamt einen sehr guten Ruf. Die Spitzenweine des Hauses wurden in diesem Jahrgang hoch bewertet und bestätigten die Stellung von Chat Sauvage als eines der renommiertesten Burgunderweingüter des Rheingaus.
Reifepotenzial
Der Wein ist heute, 2026, in einem sehr interessanten Stadium.
Die Primärfrucht ist noch vorhanden, während erste tertiäre Pinot-Noir-Aromen einsetzen.
Servieren
15–16 °C
Ein großes Pinot-Noir-Glas.
Ich würde die Flasche zunächst 30–45 Minuten im Glas atmen lassen.
Bei einer sehr jungen oder verschlossenen Flasche kann eine vorsichtige Dekantierung sinnvoll sein.
Da der Wein bereits sieben Jahre alt ist, würde ich ihn aber nicht stundenlang belüften.
Speisenbegleitung
Der Rüdesheim 2019 ist ein sehr guter Essenswein.
Besonders passend:
Entenbrust
Gänsebrust
Fasan
Perlhuhn
Reh
Hirsch
Wildschwein
Steinpilze
Trüffel
geschmorte Pilze
Kalbsrücken
gereifter Hartkäse
Mein Favorit:
Rehrücken mit Steinpilzen, Sellerie und einer dunklen, nicht zu stark reduzierten Jus.
Die dunkle Kirschfrucht des Weins verbindet sich mit dem Wild, während die Säure und Mineralität die kräftige Sauce ausbalancieren.
Chardonnay „Clos de Schulz“ 2024
Chat Sauvage · Johannisberg / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Chat Sauvage ist eines der ungewöhnlichsten Weingüter des Rheingaus. Gegründet wurde das Weingut 2001 beziehungsweise mit den ersten Weinbauaktivitäten Anfang der 2000er Jahre von Günter Schulz. Die Idee war von Anfang an stark burgundisch geprägt: Statt sich auf Riesling zu konzentrieren, setzt Chat Sauvage konsequent auf Chardonnay und Spätburgunder. Heute führt Kellermeisterin Verena Schöttle das Weingut.
Der Name „Chat Sauvage“ – „wilde Katze“ – passt durchaus zur Philosophie: eigenständige, eher burgundisch gedachte Weine, die sich bewusst vom klassischen Rheingau-Stil absetzen.
Der Chardonnay „Clos de Schulz“ ist dabei der Spitzen-Chardonnay des Hauses. Die Bezeichnung „Clos de Schulz“ verweist auf die besondere Parzelle und die persönliche Geschichte des Gründers. Das Weingut konzentriert sich inzwischen auf rund 8 ha, etwa 80 % davon sind mit Spätburgunder und 20 % mit Chardonnay bestockt.
Der Weinberg
Der Clos de Schulz stammt aus einer kleinen Chardonnay-Parzelle im Winkeler Dachsberg. Die Böden sind skelettreich und von Löss-Lehm mit Einlagerungen von Taunus-Quarzit geprägt. Diese Kombination liefert einerseits Wärme und Frucht, andererseits aber auch die für den Wein wichtige mineralische Spannung.
Der Chardonnay wurde bei Chat Sauvage erst relativ spät im Rheingau etabliert. Der erste Chardonnay des Weinguts wurde 2006 im Winkeler Dachsberg gepflanzt; später kamen weitere Chardonnay-Flächen hinzu. Der Clos de Schulz gehört heute zu den bekanntesten Chardonnay-Weinen des Rheingaus.
Ausbau
Der 2024er wird teilweise in neuem und teilweise in mehrfach belegtem Barrique ausgebaut. Dadurch bekommt der Chardonnay Struktur und cremige Textur, ohne dass das Holz die Herkunft vollständig überdeckt.
Genau diese Balance ist typisch für Chat Sauvage: Der Wein soll an Burgund erinnern, aber nicht einfach einen Burgunder imitieren.
Der Ausbau bringt Noten von Vanille, Karamell, Rauch und Röstung, während die Frucht und die Mineralität des Weinbergs erhalten bleiben.
Der Jahrgang 2024
Der 2024er besitzt je nach Quelle etwa 13,0–13,5 % vol. Alkohol. Eine Händlerangabe nennt 6 g/l Säure und lediglich 1 g/l Restzucker – also einen ausgesprochen trockenen Stil.
Das passt zum Charakter des Weins: kein weicher, breit wirkender Chardonnay, sondern ein trockener, kühler und strukturierter Rheingau-Chardonnay.
Verkostung
Die Nase ist zunächst eher kühl und zurückhaltend.
Dann öffnen sich:
reifer gelber Apfel → Mirabelle → weißer Pfirsich → Aprikose
Dazu kommen typische Burgunder-/Holznoten:
Vanille → Karamell → Rauch → Nuss → leicht geröstete Töne
Weitere Verkostungsbeschreibungen nennen Morchel, Kräuter, florale Noten und gelbe Würze.
Besonders interessant ist die Kombination aus reifer Frucht und kühler Mineralität. Der Wein wirkt dadurch nie einfach „buttrig“.
Am Gaumen
Hier zeigt sich der eigentliche Anspruch des Clos de Schulz.
Der Wein besitzt Kraft und Stoff, gleichzeitig aber eine auffallend kühle, mineralische Seite.
Die Frucht wirkt:
reif → saftig → schmelzig
während Säure und Mineralität für Spannung sorgen.
Das Holz ist präsent, aber nicht aufdringlich. Vielmehr liefert es Röstung, Rauch, Vanille und zusätzliche Textur.
Besonders charakteristisch ist die salzige Mineralität, die im langen Finale wieder deutlich hervortritt. Eine Verkostungsbeschreibung des 2024ers spricht von einem festen, zugleich schmelzigen und würzigen Abgang mit beinahe maritimer Mineralität.
Aromatik
gelber Apfel → Mirabelle → Aprikose → weißer Pfirsich → Ananas → Vanille → Karamell → Kokos → Nuss → Rauch → Pfeffer → Kräuter → Morchel → Taunus-Quarzit → Salz
Das ist eine sehr vielschichtige Aromatik.
Gerade Frucht + Holz + Mineralität macht den Wein interessant.
Auszeichnungen & Renommee
Der Clos de Schulz gehört seit Jahren zu den bestbewerteten Chardonnays des Rheingaus.
Ein wichtiger Hinweis ist der 2022er, der von Falstaff mit 95 Punkten ausgezeichnet wurde. Beschrieben wurden Zitronenschale, Kokos und dezenter Holzeintrag sowie dichte, feinkörnige Phenole und ausgeprägte Mineralität.
Auch der deutsche Weinguide von Falstaff hebt Chat Sauvage als außergewöhnliches Rheingauer Weingut hervor und beschreibt den Clos de Schulz als einen der besten Weine des Rheingaus.
Reifepotenzial
Hier wird es interessant.
Der Clos de Schulz ist kein Chardonnay, den man zwingend jung trinken muss.
Die Kombination aus:
niedriger Restsüße
lebendiger Säure
Extrakt
Holz
Mineralität
Konzentration
gibt ihm gute Voraussetzungen für eine längere Entwicklung.
Eine Händlerempfehlung sieht den 2024er bis etwa 2033.
Servieren
Temperatur: 10–12 °C
Nicht zu kalt servieren – sonst wirkt das Holz stärker und die Frucht wird zurückgedrängt.
Für die junge 2024er Flasche würde ich ein großes Burgunder- oder Chardonnayglas verwenden.
Dekantieren: ja, wenn jung getrunken.
Etwa 30–60 Minuten Luft können dem Wein sehr gut tun.
Speisenbegleitung
Dieser Chardonnay verlangt nach etwas kräftigerem Essen als der Engelmannsberg-Riesling.
Sehr passend:
Hummer
Languste
Jakobsmuscheln
Steinbutt
Seezunge
Kabeljau
Kalbsfilet
Poularde
Perlhuhn
Morcheln
Trüffel
Spargel mit Sauce Hollandaise
cremiges Risotto
Comté
gereifter Bergkäse
Besonders überzeugend:
Gebratener Steinbutt mit Morcheln und heller Jus.
Die cremige Textur des Chardonnays nimmt die Sauce auf, während die Mineralität und Säure für Gegengewicht sorgen.
Noch klassischer:
Jakobsmuscheln mit brauner Butter, Sellerie und gerösteten Haselnüssen.
Das greift die nussigen, karamelligen und mineralischen Aspekte des Weins auf.
Pinot Noir „Lorcher Kapellenberg“ 2019 · QbA
Chat Sauvage · Johannisberg / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Der Lorcher Kapellenberg gehört zu den spannendsten Pinot-Noir-Lagen von Chat Sauvage. Die Lage liegt im nordwestlichsten Teil des Rheingaus bei Lorch – dort, wo der Rheingau deutlich kühler, steiler und geologisch stärker vom Schiefer geprägt ist.
Chat Sauvage wurde Anfang der 2000er Jahre gegründet und verfolgt von Beginn an eine ungewöhnliche Rheingau-Philosophie: Das Weingut konzentriert sich auf Spätburgunder und Chardonnay und orientiert sich bei der Weinbereitung stark an Burgund. Heute bewirtschaftet das Weingut rund 8 Hektar; etwa 80 % der Rebfläche sind mit Pinot Noir und 20 % mit Chardonnay bestockt. Zu den wichtigsten Lagen gehören neben dem Lorcher Kapellenberg unter anderem Johannisberger Hölle, Rüdesheimer Drachenstein und Assmannshäuser Höllenberg.
Der Kapellenberg ist dabei eine der Lagen, die den eigenständigen Stil von Chat Sauvage besonders gut zeigen: kühles Klima, Schiefer, dunkle Beerenfrucht und eine ausgeprägte Mineralität. Das Weingut beschreibt den Wein ausdrücklich als Pinot Noir von Schieferhängen mit dunklen, kräftigen Waldfruchtaromen.
Das Terroir
Der Boden des Lorcher Kapellenbergs besteht aus blauem und rotem Phyllit sowie Grauschiefer. Dazu kommt die ausgeprägte Hanglage.
Diese Kombination ist für Pinot Noir ausgesprochen interessant:
kühler Standort + Schiefer + geringe Erträge + lange Reife
führen zu einem Wein, der weniger über süße Frucht als über Struktur, Würze und Mineralität wirkt.
Gerade im Vergleich zu den wärmeren Lagen rund um Johannisberg und Rüdesheim besitzt der Kapellenberg eine deutlich kühlere, manchmal fast burgundisch anmutende Seite.
Der Jahrgang 2019
2019 war für Spätburgunder bei Chat Sauvage ein herausragender Jahrgang. Ein Händler bezeichnet ihn ausdrücklich als einen der besten Pinot-Noir-Jahrgänge des Hauses.
Der Wein besitzt:
13,5 % vol. · 5,2 g/l Säure
und wurde aus handselektierten Trauben mit einem Ertrag von nur etwa 20 hl/ha erzeugt. Das Mostgewicht lag bei 97° Oechsle.
Diese niedrigen Erträge erklären teilweise die Konzentration des Weins.
Vinifikation & Ausbau
Chat Sauvage arbeitet bei seinen großen Pinot Noirs sehr traditionell und burgundisch.
Die Trauben werden von Hand selektiert. Der 2019er Kapellenberg wurde anschließend 22 Monate in französischen Barriques ausgebaut und unfiltriert abgefüllt.
Das lange Holzlager gibt dem Wein Zeit, seine Komponenten miteinander zu verbinden.
Wichtig: Das Holz ist beim Kapellenberg kein Selbstzweck. Es ergänzt die dunkle Frucht um:
Rauch → Kakao → Nuss → Gewürze
während Schiefer und Säure die Frische bewahren.
Verkostung
Im Glas zeigt sich ein dunkles Rubinrot.
Die Nase wirkt zunächst erstaunlich kühl und präzise.
Im Vordergrund:
schwarze Kirsche → Sauerkirsche → Waldhimbeere → schwarze Beeren
Dazu kommen florale und würzige Komponenten.
Mit Luft treten stärker hervor:
Rauch → Kakao → Pfeffer → Nuss → Schiefer
Eine Verkostungsbeschreibung des 2019ers nennt genau diese Kombination aus kühler schwarzer Beerenfrucht, floralen Noten, nussigem Holz, Kakao, Pfeffer und deutlicher Mineralik.
Am Gaumen
Der Auftakt ist saftig und frisch, nicht süßlich.
Dann kommt die Kraft des Jahrgangs.
Der Wein besitzt:
dunkle Frucht + feines Tannin + Säure + mineralischen Griff
Das Tannin ist präsent, aber bereits relativ fein geschliffen.
Besonders interessant ist die Spannung zwischen der reifen Frucht des Jahrgangs 2019 und der kühlen Mineralität des Kapellenbergs.
Dadurch wirkt der Wein trotz seiner Konzentration nicht schwer.
Das Finale ist lang, straff und leicht herb-saftig, mit Schieferwürze, Rauch und dunkler Frucht.
Aromatik
schwarze Kirsche → Sauerkirsche → Waldhimbeere → Brombeere → Cassis → rote Johannisbeere → Rauch → Kakao → Pfeffer → Nuss → florale Noten → Schiefer → Waldboden
Mit zunehmender Flaschenreife dürften sich zusätzlich getrocknete Kräuter, Leder, Tabak und Unterholz entwickeln.
Auszeichnungen
Der Jahrgang 2019 ist bemerkenswert gut bewertet:
95 Punkte James Suckling
92 Punkte Eichelmann
Auch das allgemeine Renommee des Jahrgangs 2019 bei Chat Sauvage ist sehr hoch. Falstaff bezeichnete 2019 als einen weiteren „erinnerungswürdigen“ Jahrgang nach dem großen 2018er und charakterisierte Chat Sauvage als einen Monolithen in der deutschen Burgunderlandschaft.
Wichtig ist allerdings: Die 95 Punkte von James Suckling beziehen sich auf genau diesen 2019er Kapellenberg, während allgemeine Aussagen zum Jahrgang 2019 nicht als zusätzliche Einzelbewertungen verstanden werden sollten.
Reifepotenzial
Hier liegt eine der großen Stärken dieses Weins.
Der 2019er ist heute bereits sehr interessant zu trinken, aber er ist keineswegs am Ende seiner Entwicklung.
Die Kombination aus:
5,2 g/l Säure
niedrigem Ertrag
feinem Tannin
22 Monaten Barrique
Schiefermineralität
konzentrierter Frucht
gibt ihm eine gute Grundlage für weitere Reife.
Eine Händlerempfehlung sah ihn bis etwa 2030.
Servieren
Temperatur: 14–16 °C
Nicht zu warm servieren. Ein großer Pinot-Noir-Kelch ist ideal.
Bei einer jungen Flasche würde ich 45–60 Minuten Luft geben.
Dekantieren kann sinnvoll sein, insbesondere wenn die Flasche noch verschlossen wirkt. Gleichzeitig würde ich nicht zu aggressiv belüften – der Wein soll sich langsam entwickeln.
Speisenbegleitung
Der Kapellenberg verlangt nach kräftiger, aber nicht zu schwerer Küche.
Sehr passend:
Ente
Gans
Reh
Hirsch
Wildgeflügel
Fasan
Perlhuhn
Kalbsrücken
geschmorte Pilze
Steinpilze
Trüffel
Entenbrust
gereifter Hartkäse
Die klassische Empfehlung des Handels geht ebenfalls in Richtung Ente, Gans, Wild und Wildgeflügel.
Pinot Noir „Rüdesheimer Drachenstein“ 2018 · QbA
Chat Sauvage · Johannisberg / Rheingau
Geschichte & Herkunft
Der Rüdesheimer Drachenstein ist eine der charaktervollen Pinot-Noir-Herkünfte von Chat Sauvage. Das Weingut wurde Anfang der 2000er Jahre von Günter Schulz gegründet und verfolgt seitdem eine ungewöhnliche Rheingauer Idee: Chardonnay und Pinot Noir statt der klassischen Konzentration auf Riesling. Die Weinbereitung ist stark burgundisch inspiriert, bleibt aber auf die besonderen Bedingungen des Rheingaus ausgerichtet.
Der Drachenstein liegt bei Rüdesheim am Rhein und gehört zu den wärmeren und besonders gut exponierten Bereichen des Rheingaus. Damit unterscheidet er sich deutlich vom kühleren Lorcher Kapellenberg, den du ebenfalls im Bestand hast.
Der Name „Drachenstein“ verweist auf die felsige, steinreiche Beschaffenheit der Weinberge. Gerade beim Pinot Noir sorgt dieses Terroir für einen Wein mit Kraft, Würze und mineralischem Rückgrat.
Die Lage
Die Rüdesheimer Weinberge liegen am Übergang vom Rheingau zum Rhein-Massiv und sind von steilen Hängen geprägt.
Der Drachenstein besitzt steinige, von Quarzit und Schiefer geprägte Böden. Die Wärme der Rüdesheimer Exposition trifft damit auf einen ausgesprochen kargen Untergrund.
Für Pinot Noir ist das eine interessante Kombination:
Wärme → Reife und dunkle Frucht
Stein → Mineralität und Würze
Hanglage → Konzentration und Struktur
Der Wein kann dadurch deutlich dichter und kraftvoller wirken als ein leichter Rheingauer Spätburgunder.
Der Jahrgang 2018
2018 war im Rheingau ein außergewöhnlich warmer und sehr trockener Jahrgang.
Für Pinot Noir bedeutete das sehr reife und konzentrierte Trauben. Gleichzeitig war die Herausforderung, die Weine trotz der Hitze frisch zu halten.
Chat Sauvage konnte aus diesem Jahrgang besonders kraftvolle Pinot Noirs erzeugen.
Beim Drachenstein zeigt sich das in der Verbindung aus reifer dunkler Frucht, kräftigem Körper und dennoch vorhandener Säure.
Heute, 2026, befindet sich der 2018er bereits deutlich in der Reifephase.
Ausbau
Chat Sauvage verfolgt bei seinen Pinot Noirs eine konsequent burgundische Linie.
Die Weine werden in französischen Barriques ausgebaut. Das Holz soll nicht nur Aroma liefern, sondern vor allem Tannin integrieren, Struktur schaffen und die Reifung begleiten.
Beim gereiften 2018er sind die Holzaromen inzwischen wesentlich besser eingebunden als in der Jugend.
Zu erwarten sind:
Rauch → Kakao → Zedernholz → Vanille → Gewürze
wobei die Frucht weiterhin den Kern des Weins bildet.
Verkostung
Im Glas zeigt sich ein tiefes Rubinrot, inzwischen mit ersten granatroten Reflexen.
Die Nase ist deutlich gereift.
Zunächst:
schwarze Kirsche → Brombeere → Pflaume → Cassis
Dann öffnen sich:
Veilchen → getrocknete Kräuter → Rauch → Tabak → Kakao
und schließlich:
Waldboden → Unterholz → Leder → Pilz
Gerade diese zunehmende erdige Würze macht den 2018er heute interessanter als unmittelbar nach der Abfüllung.
Am Gaumen
Der Drachenstein 2018 ist voll, kraftvoll und dicht.
Die reife Frucht des warmen Jahrgangs steht zunächst im Vordergrund.
Danach kommen:
Säure → Tannin → Mineralität → Würze
Das Tannin dürfte heute bereits deutlich geschliffen sein.
Die Säure verhindert, dass der Wein trotz des warmen Jahrgangs zu breit erscheint.
Charakteristisch ist ein saftiger, dunkler und würziger Mittelgaumen, gefolgt von einem langen Finale mit Rauch, Erde und mineralischen Noten.
Aromatik
schwarze Kirsche → Brombeere → Cassis → Pflaume → Himbeere → Veilchen → Rauch → Kakao → Tabak → Zedernholz → getrocknete Kräuter → Waldboden → Leder → Unterholz → Schiefer/Quarzit
Das Aromenspektrum ist damit deutlich weiter entwickelt als beim Rheingau Pinot Noir 2022.
Auszeichnungen & Renommee
Chat Sauvage besitzt gerade bei den Pinot Noirs einen sehr guten Ruf in der deutschen Fachpresse.
Für den Rüdesheimer Drachenstein 2018 würde ich allerdings keine Punkte anderer Jahrgänge oder anderer Chat-Sauvage-Lagen übertragen. Die öffentlich zugängliche Quellenlage für eine belastbare Einzelbewertung dieses konkreten 2018ers ist begrenzt.
Interessanter ist deshalb die qualitative Einordnung des Jahrgangs und der Lage: Der Drachenstein gehört zur anspruchsvolleren Pinot-Noir-Linie des Hauses und steht qualitativ klar über dem einfachen Rheingau Pinot Noir.
Reifepotenzial
Der 2018er ist jetzt im sehr guten Trinkfenster.
Anders als beim Kapellenberg 2019 würde ich hier nicht mehr primär auf eine lange Zukunft setzen.
Servieren
15–16 °C
Großes Pinot-Noir-Glas.
Ich würde ihn etwa 30 Minuten vor dem Essen öffnen und zunächst im Glas entwickeln lassen.
Bei einer intakten, gut gelagerten Flasche ist eine lange Dekantierung nicht unbedingt erforderlich.
Wenn sich beim Öffnen deutliche Depotbildung zeigt, vorsichtig dekantieren.
Speisenbegleitung
Der gereifte Drachenstein verlangt nach aromatischer Küche.
Ideal:
Reh
Hirsch
Wildschwein
Ente
Gans
Fasan
Perlhuhn
geschmorte Kalbsgerichte
Steinpilze
Pfifferlinge
Trüffel
Wildragout
gereifter Comté
Bergkäse
Besonders passend:
Rehrücken mit Steinpilzen, Selleriepüree und Wacholderjus.
Die dunkle Frucht nimmt das Wild auf, während die gereiften erdigen Noten hervorragend zu den Pilzen passen.
Pinot Noir „Le Schulz“ 2019 · QbA
Chat Sauvage · Johannisberg / Rheingau
Geschichte & Bedeutung
„Le Schulz“ ist der Flaggschiff-Pinot-Noir von Chat Sauvage und trägt den Namen des Gründers Günter Schulz. Der Wein steht damit sinnbildlich für die ursprüngliche Idee des Weinguts: einen großen deutschen Spätburgunder mit burgundischer Stilistik zu erzeugen.
Chat Sauvage wurde Anfang der 2000er Jahre gegründet und hat sich bewusst gegen die traditionelle Rheingauer Dominanz des Rieslings gestellt. Stattdessen konzentriert sich das Weingut auf Pinot Noir und Chardonnay. Handlese, strenge Selektion, niedrige Erträge und lange Reife in französischer Eiche prägen die Weine.
„Le Schulz“ ist die konsequenteste Umsetzung dieser Philosophie: maximale Konzentration, Tiefe und Langlebigkeit, ohne die Herkunft aus dem Rheingau zu verleugnen.
Herkunft & Terroir
Der „Le Schulz“ ist kein klassischer Orts- oder Gutswein, sondern eine Cuvée beziehungsweise Selektion aus den besten Pinot-Noir-Partien des Hauses.
Das macht ihn besonders interessant im Vergleich zu deinen einzelnen Lagenweinen wie:
Rüdesheim
Lorcher Kapellenberg
Rüdesheimer Drachenstein
Während diese Weine stärker ihr jeweiliges Terroir zeigen, steht „Le Schulz“ für die Spitze und Gesamthandschrift von Chat Sauvage.
Der Jahrgang 2019
2019 war ein hervorragendes Jahr für deutsche Burgunder.
Nach einem warmen Sommer sorgten die kühleren Bedingungen zum Ende der Reifeperiode dafür, dass die Trauben trotz hoher physiologischer Reife ihre Säure bewahrten.
Für Pinot Noir ist das ideal:
reife Frucht + konzentrierter Extrakt + lebendige Säure + reifes Tannin
Der 2019er „Le Schulz“ besitzt daher eine sehr gute Kombination aus Kraft und Frische.
Ausbau
Wie bei den großen Pinot Noirs des Hauses ist die Weinbereitung stark an Burgund orientiert.
Der Wein wird in französischen Barriques ausgebaut und erhält eine lange Reifezeit.
Das Ziel ist nicht ein dominanter Holzgeschmack, sondern die Integration von:
Frucht + Tannin + Säure + Holz + Mineralität
Beim 2019er ist diese Integration heute bereits weit fortgeschritten.
Verkostung
Die Farbe ist tiefes Rubinrot bis Granat.
Die Nase ist deutlich konzentrierter als beim einfachen Rheingau Pinot Noir.
Zunächst:
schwarze Kirsche → Brombeere → Cassis → Waldhimbeere
Dann folgen:
Veilchen → Rauch → Kakao → dunkle Schokolade → Gewürze
Mit Luft treten zunehmend komplexe Reifearomen hervor:
Tabak → Zedernholz → Waldboden → Unterholz → Leder
Das ist eine Nase, die deutlich mehr Zeit verlangt als die jüngeren Chat-Sauvage-Pinots.
Am Gaumen
Hier zeigt sich der Unterschied zum „normalen“ Rheingau Pinot Noir besonders deutlich.
Der „Le Schulz“ ist:
dicht → kraftvoll → tief → strukturiert
Die Frucht ist konzentriert, aber nicht marmeladig.
Die Säure sorgt für Spannung.
Das Tannin ist kräftig, aber bei gut gelagerter 2019er Flasche inzwischen deutlich feiner und geschliffener.
Im Mittelgaumen entsteht eine Kombination aus:
schwarzer Frucht + Gewürz + Rauch + mineralischer Würze
Der Abgang ist lang und vielschichtig.
Gerade dort zeigt sich die Qualität: Der Wein endet nicht einfach fruchtig, sondern bleibt mit Tannin, Mineralität, Kakao und erdiger Würze lange am Gaumen.
Aromatik
schwarze Kirsche → Brombeere → Cassis → Waldhimbeere → Pflaume → Veilchen → Rauch → Kakao → dunkle Schokolade → Zedernholz → Tabak → Gewürze → Waldboden → Unterholz → Leder
Mit weiterer Reife werden die tertiären Noten stärker und die Primärfrucht tritt langsam zurück.
Auszeichnungen
Hier ist „Le Schulz“ besonders interessant.
Der Wein zählt seit Jahren zu den höchstbewerteten deutschen Pinot Noirs und ist einer der wichtigsten Weine von Chat Sauvage.
Für den Jahrgang 2019 sollte man allerdings sauber zwischen den Bewertungen des konkreten Weins und Bewertungen anderer Jahrgänge unterscheiden. Die heute besonders häufig zitierten sehr hohen Falstaff-Wertungen beziehen sich auf andere Jahrgänge und dürfen nicht einfach auf 2019 übertragen werden.
Der 2019er gehört dennoch qualitativ eindeutig zur Spitze des Hauses.
Reifepotenzial
Der Wein befindet sich wahrscheinlich gerade am Übergang von:
Primärfrucht → Sekundäraromen → beginnende Tertiärreife
Servieren
15–17 °C
Ein großes Burgunder-/Pinot-Noir-Glas.
Empfehlung: 60–90 Minuten vor dem Essen öffnen, nur vorsichtig dekantieren, wenn Depot vorhanden ist.
Der Wein sollte eher langsam im großen Glas aufgehen als durch aggressive Belüftung innerhalb kürzester Zeit.
Speisenbegleitung
Das ist ein Wein für die große Küche.
Sehr gut:
Rehrücken
Hirschrücken
Wildschwein
Fasan
Ente
Gans
Taube
Perlhuhn
Steinpilze
Trüffel
Morcheln
geschmorte Kalbsgerichte
kräftige Geflügeljus
gereifter Comté
gereifter Bergkäse
Mein Favorit:
Rehrücken mit Steinpilzen, Sellerie, Preiselbeere und einer konzentrierten Jus.
Der Wein besitzt genügend Kraft für das Wild, während Säure und Mineralität verhindern, dass die Kombination zu schwer wird.
Chat Sauvage: Eure Entdeckung burgundischer Finesse im Rheingau
Willkommen in einer Welt, in der die Regeln des Rheingaus neu geschrieben werden! Das Weingut Chat Sauvage, was so viel wie "wilde Katze" bedeutet, steht für eine einzigartige und mutige Vision: Die Kreation von Weltklasse-Pinot-Noir und Chardonnay in einer Region, die eigentlich für ihren Riesling gefeiert wird. Seit seiner Gründung hat sich Chat Sauvage ganz dieser Passion verschrieben und beweist, dass die erstklassigen Böden und das einzigartige Klima des Rheingaus ein perfektes Zuhause für die edlen Burgunder-Rebsorten sind.
Die Essenz der Steillagen: Kompromisslose Qualität bei Chat Sauvage
Das Herzstück der Weine von Chat Sauvage liegt in den herausfordernden, aber exzellenten Steillagen des Rheingaus. In berühmten Parzellen wie dem Johannisberger Hölle, dem Assmannshäuser Höllenberg und dem Lorcher Kapellenberg finden die Reben das ideale Terroir, um tiefgründige Aromen zu entwickeln. Hier wird jede Traube mit größter Sorgfalt behandelt: Selektive Handlese und eine strenge Ertragsreduktion sind die Grundpfeiler, um die höchste Konzentration und Qualität zu gewährleisten. Diese Liebe zum Detail ist die Basis für jeden Chat Sauvage Wein und seine unverkennbare Handschrift.
Eleganz in Rot und Weiß: Die Weine von Chat Sauvage
Entdeckt die außergewöhnliche Vielfalt, die das Weingut zu bieten hat. Der Fokus liegt ganz klar auf Pinot Noir (Spätburgunder) und Chardonnay, die in einem Stil ausgebaut werden, der an große Burgunder erinnert. Die Rotweine reifen bis zu 18 Monate in Barriques und werden unfiltriert abgefüllt, was ihnen Tiefe und eine samtige Struktur verleiht. Die Chardonnays, ebenfalls im Holzfass vergoren, beeindrucken mit Finesse, Mineralität und Eleganz. Jeder Schluck eines Chat Sauvage Weins ist eine Einladung, eine neue Facette des Rheingaus zu erleben – erwachsen, geschliffen und von großer Ausdruckskraft.
Tradition und Vision: Das Handwerk von Chat Sauvage
Im Keller setzt sich die puristische Philosophie von Chat Sauvage fort. Hier regiert das Handwerk, nicht die Technologie. Die Weine erhalten die Zeit, die sie brauchen, um sich in Ruhe zu entfalten, bevor sie abgefüllt werden. Hinter dieser Vision stehen der Gründer Günter Schulz und die engagierte Kellermeisterin Verena Schöttle, die mit großer Leidenschaft das Potenzial der Burgunderreben am Rhein auf die Spitze treiben. Ihre Weine beweisen eindrucksvoll, dass Innovation und Tradition Hand in Hand gehen können.
Erlebt die Faszination von Chat Sauvage und lasst euch von diesen unvergleichlichen Weinen inspirieren – ein Stück burgundische Lebenskunst aus dem Herzen des Rheingaus.
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